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Notizen eines Schrottvogels

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  • Freiraum für etwas spezielle Kreativität

    Apr. 11th 2014

    By: Schroddi

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    Hallo zusammen,

    lange ist es nun schon wieder her, dass ich mich zuletzt zu Wort gemeldet habe. Wie ich vor einer Weile angemerkt habe, verbringe ich dieser Tage viel Zeit ebenfalls vor dem Computer sitzend, jedoch lebe ich meine Kreativität mittlerweile nicht mehr im geschriebenen Wort, sondern mittels Video editing aus.

    Wenn ich also in letzter Zeit schon nicht die Gelegenheit hatte, euch mit meinem Hirn entronnenen Buchstabenkombinationen zu beglücken, werde ich euch nun mit unserer neusten Kreation beglücken oder auch eher nicht?!

    Zu dem Hintergrund dieses für einige Menschen vielleicht etwas gewöhnungsbedürftigen Videos gibt’s vorab noch folgendes zu sagen:

     

    Seit geraumer Zeit lebe ich mit Explain, einem gruselig geschminkten Sänger der lokalen Metal Band Foundry Road zusammen. Kurz nachdem wir uns im Oktober kennenlernten,  erzählte er mir überraschend detailiert von der Idee für ein Musikvideo für die Single des neuen Albums, welche schon eine Weile in seinem kranken Hirn zirkulierte.
    Zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm noch ein Darsteller ohne sichtbare Tätowierungen (letzteres nicht leicht in Australien zu finden).  Voller spontanem Tatendrang sagte ich ihm beinahe ungefragt zu und war mir derzeit noch nicht darüber im klaren, dass diese Zusage an eine durchaus schmerzhafte Erfahrung gebunden war.

    Nun, ein halbes Jahr später haben wir es nun endlich zur Videoveröffentlichung geschafft. Sowohl vor als auch hinter der Kamera habe ich eine nette Gastrolle bekommen und bin mit dem Resultat mehr als zufrieden.

    Ladies and Gentlemen, hiermit präsentiere ich Ihnen das offizielle Musikvideo zu Foundry Roads neuer Single BDSM!

    Download Video

     

    PS: Tut mir einen Gefallen und Teilt diesen Link auf allen Kanälen, die ihr habt, Youtube, Twitter & Co, leitet es Freunden weiter, welchen diese Musik gefallen könnte (ich weiss, es ist nicht jedermanns Geschmack). Foundry Road freut sich über jeden kleinsten Support.

    Viele Grüße aus der Filmeschmiede

     

    Schroddi

    Australien, Wie schraeg ist DAS denn?

  • Duschaaaahhhhhh

    Feb. 2nd 2014

    By: Schroddi

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    Wenn der durchschnittliche Erdenbürger duschen geht klingt das für Mitbewohner in etwa so:

     

    Die Badtür schliesst sich,

    nach einer kurzen Zeit fängt das Plätschern des Wassers an,

    im schlimmsten Fall erklingt nach einer Weile grauenvoller Gesang,

    das Wasser wird wieder abgedreht und kurz danach öffnet sich die Badtür wieder.

     

    Soweit relativ unspektakulär. Jetzt möchte ich euch mal verraten, wie es für Mitbewohner klingt,

    wenn ein Schroddi duschen geht…

     

    Die Badtür schliesst sich,

    nach einer kurzen Zeit fängt das Plätschern des Wassers an,

    wenig später vernimmt man ein exzessives Stöhnen gepaart mit heftigem Hecheln,

    nach einigen Minuten stoppt dann das Plätschern des Wassers und schallendes Gelächter ertönt,

    kurz darauf öffnet sich die Tür und ein gut gelauntes und sauberes Schroddi kommt aus dem Bad.

     

    Was sich da wohl ereignet hat?

     

    Ganz einfach, hier kommt der Blick hinter die Kulissen:

     

    Ich gehe in die Dusche, drehe das Wasser auf und muss nach einiger Zeit feststellen, dass es nicht warm wird. Nachdem bei mir schon mal das warme Wasser ausgefallen ist, fluche ich kurz für mich selbst und versuche mich unter das kalte Wasser zu wagen. Da in Sydney kaltes Wasser wirklich KALT ist, kann ich mir für aussenstehende dezent verstörende Geräusche nicht verkneifen und wage mich Stück für Stück hyperventilierend unter das Eiswasser.

    Nach einer recht kurzen dusche, will ich das Wasser abdrehen und muss dabei feststellen, dass ich dämlich genug war versehentlich das Kaltwasser aufzudrehen und durchaus hätte warm duschen können. Diese Erleuchtung lässt mich zwanghaft in lautes Gelächter ausbrechen und ich nehme mir vor, beim nächsten Mal doppelt zu prüfen, welcher Hahn aufgedreht ist, bevor ich mich gezwungen

    fühle erneut kalt zu duschen.

    Mal wieder konnte ich mich nicht für den richtigen Hahn entscheiden

     

     

     

    Australien, Wie schraeg ist DAS denn?

  • Die ACER Misere

    Jan. 12th 2014

    By: Schroddi

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    Die Meisten von euch haben sich vermutlich schon mal einen Laptop oder einen Computer gekauft.

    An sich ist das keine grosse Sache. Man geht in den Laden seiner Wahl, steht ahnungslos in der Gegend rum, lässt sich nach ewiger Wartezeit von einem sogar ahnungsloseren „Fachmann“ beraten und am Ende entscheidet man sich dann für ein Modell und bereut es im besten Fall nicht einmal.

    Wenn sich Schrottvögel ein neues Netbook zulegen wollen, kann sich diese einfache Prozedur allerdings ins schier unendliche ziehen. So geschehen diesen Februar. Eine Woche nachdem ich in Koh Samui aus dem Krankenhaus war, entschied sich mein gut 2 Jahre altes Netbook, sich ein letztes mal auszuschalten und in den Ruhestand zu gehen.

    Da ich zu dieser Zeit quasi bettlägerisch war, fand ich das nicht wirklich witzig. Als ich wieder dazu in der Lage war, suchte ich sämtliche Computergeschäfte der Insel heim, um letztendlich herauszufinden müssen, dass die Jungs von Tuten und Blasen nicht den blassesten Schimmer hatten.

    Mainboard mit Schuppenflechte

    Mainboard mit Schuppenflechte

    Da ich mein Baby aber nicht so einfach aufgeben wollte, schleppte ich ihn mit nach Malaysia, wo ich ohnehin eine Nacht verbringen musste. In einem grossen Shoppingcenter wurde ich dann von Laden zu Laden geschickte und landete schliesslich bei einem Mädel, die verblüffende Ähnlichkeit mit Trinity aus Matrix hatte. Wenn sie also nicht gewusst hätte, wovon sie spricht, hätte ich die Suche wohl aufgegeben. Sie versuchte die Kiste zu starten und war sich anhand des Krankheitsbildes schnell sicher, dass es sich um ein Defekt des Mainboards handeln müsse. Das hätte man zwar tauschen oder reparieren können, jedoch hätte das 2-3 Wochen gedauert und beinahe den Neupreis meines alten Netbooks gekostet.

    So schien kein Weg daran vorbei zu führen mir eine neue interplanetarische Tippmaschine zuzulegen. Grundsätzlich hatte ich keine grossen Ansprüche an den Nachfolger meines Besten Stücks, auf ein paar Details kam es mir jedoch an.

    Unglücklicherweise musste ich bei meiner Onlinerecherche jedoch feststellen, dass Netbooks scheinbar dank Smartphones langsam vom Markt verdrängt werden. Da die Auswahl der Anbieter recht beschränkt war, pendelte ich zwischen ASUS und ACER. ASUS hatte zwar ein paar nette Modelle im Angebot, jedoch konnten sie preislich nicht mit ACER mithalten. Die letzten Jahre hatte ich zudem viele zufriedene Nutzer von ACER Netbooks getroffen und nie etwas schlechtes gehört.

    So suchte ich mir einen gutes Angebot für ein Modell meiner Wahl und bestellte es online. Da ich es nicht per Post von Deutschland oder anderswo nach Thailand verschicken lassen wollte, gab ich als Lieferadresse die von meiner Schwester an. Sie wollte mich eh in Kürze besuchen und hätte mir meine neue Errungenschaft gleich mitbringen können.

    Bei der Bestellung gab ich zudem den spätest möglichen Liefertermin an, welchem ich noch einen kleinen Puffer zum eigentlichen Abreisedatum meiner Schwester hinzufügte. Beinahe täglich checkte ich online den Lieferstatus, welcher jedoch nicht über „ Zahlung erhalten“ hinausging.

    Nach ein paar Tagen, eine Woche vor dem Abflug meiner Schwester, um genau zu sein, wurde ich echt ungeduldig und schrieb dem Onlineversand eine Email. Alles was ich darauf erhielt, war jedoch eine automatisch generierte Antwort Email, dass man sich meiner Anfrage so schnell wie möglich annehmen würde und man sich für meine Geduld bedankt.

    Super, Geduld war das Einzige, was ich zu dem Zeitpunkt nicht hatte. So versuchte ich mein Glück nach einer Zweiten erfolglosen Email per Telefon. Wie man sich denken kann, ist es nicht das Günstigste von einem thailändischen Handy auf eine deutsche gebührenpflichtige Hotline zu telefonieren. Nach rund 20 Minuten und fast doppelt so viel verballertem Telefonguthaben mit ausgesprochen grooviger Musik am Ohr gab ich auch an der Stelle auf. Stattdessen rief ich meine Schwester an und bat sie mal ihr Glück zu versuchen. Nach einiger Zeit des Wartens hatte sie dann Glück und bekam gesagt, dass das Netbook bereits seit dem Vortag unterwegs sei.

    Verärgert über die unnötigen Kosten und einen Kundenservice wie bei der Führerscheinstelle Offenbach Ost freute ich mich wenigstens, dass das Netbook immerhin noch in Zeit ankommen könnte, wenn nicht auch die Post noch einen Bock baut. Wenigstens die DHL machte seine Sache gut und meine neue Klimperkiste erreicht meine Schwester noch vor ihrer Abreise.

    Eine gute Woche später nahm ich das Goldstück dann in Empfang und freute mich wie ein Glückskeks. Diese Freude verpufft jedoch schnell als ich meine ersten Erfahrungen mit Windoof 8 machte und feststellen musste, dass dieses Betriebssystem mit Fokus auf Touchscreens entwickelt wurde und auf einem Netbook nicht wirklich Sinn macht.

    Bei dieser Ernüchterung sollte es jedoch nicht bleiben, denn wenn Schroddi etwas kauft muss ja schliesslich auch etwas nicht oder nur eingeschränkt funktionstüchtig sein. So sollte ich auf’s verrecken kein WLAN Signal empfangen können. Anfangs schob ich die Schuld auf Windows oder die Hardwaretreiber, was aber nach Konfiguration und etlichen Treiberupdates beinahe auszuschliessen war. Nach längerer Recherche sollte ich dann des Problems Wurzel gefunden haben. Offensichtlich hat ACER die Angewohnheit gelegentlich die Antenne des WLAN Moduls nicht oder falsch anzuschliessen, was die Krankheitssymptome meines Netbooks wirklich gut widerspiegelte (WLAN Empfang hatte ich nur bis maximal 2 Meter vom Router entfernt und auch nur, wenn absolut keine Gegenstände im Weg waren). In der darauf folgenden Korrespondenz verwies der ACER Kundenservice auf immer neuere Treiber, die man installieren könne, was jedoch alles nichts brachte und nach langem Hin und Her konnte ich die Damen und Herren schliesslich davon überzeugen, dass es sich um ein Montagsprodukt handelt, welches noch einmal etwas Aufmerksamkeit von etwas aufgeweckteren Spezialisten erfordert.

    So nahm meine Schwester das Gerät nach drei Wochen Urlaub wieder mit und wollte es in Bangkok in einem ACER Shop abgeben, welche jedoch leider an diesem (Sonn)Tag alle geschlossen hatten. Theoretisch hätte man es per Post dort hin schicken können, jedoch traute ich dem ganzen nicht und bat meine Schwester es letztendlich in Deutschland einzuschicken.

    Wieder in Deutschland angekommen war leider bereits die 28-tägige Rückgabefrist ausgelaufen, sodass ich das Netbook nicht mehr los wurde und die Reparatur tatsächlich die einzige Option war.

    Um das Gerät einzuschicken wurde meine Schwester gebeten die Festplatte zurück zu setzen, als sie das Gerät zu diesem Zweck einschalten wollte, erschien jedoch lediglich die Meldung „NO BOOTABLE DEVICE“ was bedeutete, dass die Festplatte entweder ebenfalls aufgegeben oder sich zumindest die Kabelverbindung gelöst hatte. In jedem Fall war das blöde Teil nun komplett unbrauchbar. Nach erneuter Rücksprache mit ACER schickte sie es nun endlich ein und wartete auf Ersatz oder Reparatur.

    Im Netz war der Service nicht als der Schnellste bekannt und wir stellten uns auf einige Zeit des Wartens ein. Nachdem jedoch auch nach einigen Wochen nichts passiert war, klemmte sich meine Schwester wieder ans Telefon. Gemeinsam fand man dann heraus, dass das reparierte Netbook aufgrund beschränkter geistiger Kapazitäten seitens ACER an eine falsche Adresse geschickt (Zahlendreher in der Hausnummer) und als unzustellbar zurück zu ACER geliefert werden sollte, jedoch konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht feststellen, ob es noch angekommen oder nach wie vor mit der Post unterwegs war.

    Eine Woche später probierte meine Schwester ihr Glück am Telefon erneut. Diesmal bekam sie Herrn Schniedel ans Ohr, welcher wie offensichtlich alle anderen Serviceangestellten dieses Vereins nur schwer gebrochenes Deutsch sprach. Leider konnte aber auch der Schniedel nicht sagen, wo die Schrottkiste zu diesem Zeitpunkt in den ACER-Katakomben rumdödelte. Endlich platzte auch meiner Schwester der Kragen, welcher mir nun schon Wochen zuvor um die Ohren geflogen war. Sie liess ihren ganzen Frust am Schniedel aus bis dieser ganz klein mit Lümmeltüte war, sich entschuldigte und meinte, dass sie das Netbook schicken, sobald man es gefunden habe. Diese glorreiche „Wir tun, was wir können“-Aussage beruhigte natürlich nicht, wenn man gesehen hat, was man offensichtlich bei ACER so alles nicht kann. Von diesem Sachverhalt war ich derart begeistert, dass ich mich anfing nach einem passenden ASUS Netbook umzuschauen.

    Nach insgesamt 5 Wochen kam mein ACER Netbook dann endlich von der Reparatur zurück. Als meine Schwester es dann einschaltete, um zu testen, ob nun wirklich alles einwandfrei funktionierte, flimmerte wieder eine wohl bekannte Nachricht auf dem Bildschirm: „NO BOOTABLE DEVICE“.

    Danke ACER, das war dann wohl wieder nix. Nach erneut zähen Verhandlungen auf Deutsch-türkisch mit der ACER Telefonseelsorge erklärte man sich gnädigerweise bereit das Gerät zwecks Reparatur noch einmal unter die Lupe zu nehmen.

    Erneut 2-3 Wochen später, insgesamt über 3 Monate nach meinem eigentlichen Kaufdatum kam das Netbook schliesslich auf Anhieb an der richtigen Adresse (man scheint ja immerhin lernfähig zu sein) an und funktionierte tatsächlich. Zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch bereits lange glücklicher Besitzer eines funktionierenden ASUS Laptops, welches ich mir zwischenzeitlich in Deutschland bestellt und nach Thailand schicken lassen hatte.

    Demnach wollte ich mit diesem ACER-Schrott nichts mehr zu tun haben. Immerhin hatte ich ein beinahe neuwertiges Netbook, was verzweifelt einen neuen Besitzer haben wollte, wenn es denn den Weg fand. So probierte es dann sein Glück mit einer Kontaktanzeige auf Ebay. Trotz Angabe von ausschliesslich nationalem Versand fand sich ein Käufer, der das Gerät dann in die USA geschickt haben wollte. Als man ihn dann auf die hohen Versandkosten hinwies, bat er das Netbook nach Afrika zu senden.

    Einerseits hätte ich den Trickbetrügern ja diese Scheisskiste an den Hals gewünscht, allerdings war es mir doch zu schade um das Geld. Nach einer Meldung an Ebay und einer erneuten Auktion sollte sich dann ein neuer (vorerst) glücklicher Käufer finden, der um die Ecke wohnte, das Gerät persönlich abholte und hoffentlich auch heute noch seinen Spass dran hat.

    Der Versuch über die ACER-Hotline eine Kompensation über die mir/uns entstandenen Unannehmlichkeiten, die 3 Monate ohne einen bereits bezahlten Computer, sowie die langwierigen Versuche fähiges Personal bei der ACER Hotline zu erreichen, ging wie erwartet leer aus. Immer wieder wurden Rückrufe versprochen, welche nie stattgefunden haben. Letztendlich hat deren Zermürbungstaktik bestens funktioniert.

    Wir haben aufgegeben, ich würde nie wieder ein Produkt von ACER kaufen und rate (ausser den Leuten, welchen ich ohnehin die Pest an den Hals wünsche) dringlichst von ACER ab.

    Vielen Dank an meine Schwester für die unbezahlbare und nervenaufreibende Unterstützung !

    Mit freundlichen Grüssen,

     

    ein weiterer zufriedener Kunde (von ASUS)

     

    Aggregatzustand: kaputt oder weg, Thailand

  • Ultrachristliche Weihnachtsgrüße aus Sydney

    Dez. 22nd 2013

    By: Schroddi

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    Hey meine Lieben,

    zwar gebe ich wie gewohnt permanent geistigen Dünnschiss von mir, jedoch habe ich es die letzten Monate einfach nicht geschafft, diesen niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Lange ist es nun schon wieder her, dass ich habe von mir hören lassen. Wie ihr euch denken könnt, dreht sich meine Welt der geistigen und körperlichen Fehltritte weiter und es gäbe beinahe permanent genügend Stoff, sich in meinem Blog online das Maul drüber zu zerreißen.

    Leider schaffe ich es nur derzeit zeitlich nicht, solange ich nicht dafür bezahlt werde. Drum will ich euch an dieser Stelle mal einen groben Anriss meines letzten Jahres geben. Sämtliche RTL Jahresrückblicke könnt ihr euch dann getrost sparen und derweil etwas aufregenderes mit eurem Leben anfangen… z.B. in der Nase bohren, Fussnägel kauen oder mit dem Zahnstocher Pizzareste der letzten Woche aus den Zahnzwischenräumen kratzen.

    Wie aufmerksamen Bloglesern nicht entgangen sein dürfte, ist mein Jahr 2013 nicht wirklich toll gestartet. Ich kann nicht genau sagen, ob es an der Jahreszahl 13 lag oder einfach daran, dass mein Leben die letzten Jahre einfach viel zu geil war und ich mal ein paar Schläge auf den Hinterkopf verdient habe, welchen die Kokosnuss glücklicherweise knapp verfehlt hat. Es ist zwar nicht schön, sein Gesicht zermatscht zu bekommen aber im Endeffekt bin ich froh am Leben zu sein. Mangels Behindertenparkplätzen konnte ich auf Koh Tao nicht wirklich einen Nutzen aus meinem Unfall ziehen, allerdings habe ich es noch gut eine Weile auf der Insel ausgehalten. Da ich nach dem Unfall nicht wieder Tauchfähig war, habe ich meinen liebsten Job wenigstens eine Weile noch in Form von Theorieunterricht ausüben können.

    Dennoch hat mir dieses unglückliche zusammentreffen erst mal einen Strich durch meine sämtlichen Lebens- und Karrierepläne gemacht und ich musste meine gerade erst gestartete Tauchlehrerkarriere vorerst auf Eis legen.

    Nachdem ich aus dem Gröbsten raus war, bekam ich Besuch von meiner Schwester und ihrem Freund, was unumstritten einer der Höhepunkte dieses Jahres war.

    Wir waren viel schnorcheln und haben uns bei 36 Grad auf dem Minigolfplatz fast bewusstlos gespielt. Kulinarische Fehltritte gab es einige. Ich erinnere mich noch gut an einen Abend, als Jochen nach einem Panang Curry in Flammen stehend das Restaurant verliess und die Schmerzensschreie am nächsten Tag auf dem Klo die Vögel aus den umliegenden Bäumen vertrieb. Unter anderem haben wir eine „kleine“ Spinne aus deren Zimmer entfernen müssen und haben sie anschliessend auf der anderen Seite der Insel ausgesetzt, dass sie auch bloss nicht wieder zurück kommt. Mit unseren Mopeds haben wir die Insel erkundet und die armen Dinger über Pfade geprügelt, die kaum ohne professionelle Kletterausrüstung zu schaffen gewesen wäre.

    Da ich als Vollzeitinvalide aber nun mal nicht dauerhaft in Thailand urlauben konnte, hat mich eine euch wohlbekannte (anziehungs)Kraft wieder nach Australien verschleppt, wo ich vorerst einige Zeit im Outback verbracht habe, um wieder zu Kräften zu kommen.

    Bis dahin hatte ich bereits die Meisten meiner 9 Knochenbrüche des Unfalls wieder auf die Reihe bekommen und dachte mir es wäre Zeit in den zweistelligen Bereich aufzusteigen. Prompt rutschte ich vom Trittbrett meines Wohnwagens ab und brach mir zur Krönung noch einen meiner Mittelfussknochen.

    Da ich viel Zeit für Nonsens hatte, war es mal wieder an der Zeit, mir ein neues Hobby zu Lasten meines Blogs zuzulegen. So habe ich mir Schritt für Schritt Videoediting beigebracht, was eine verdammt zeitintensive Beschäftigung ist, jedoch ebenfalls Andenken auf Lebenszeit produziert. So habe ich unter anderem ein Urlaubsvideo für meine Schwester und einen „Dokumentarfilm“ über meine Zeit im australischen Outback geschaffen. Einige von euch mögen die Resultate schon gesehen haben, Andere werden vielleicht bei meinem anstehenden Deutschlandbesuch in den zweifelhaften Genuss kommen.

    Während ich zu meiner Zeit in Deutschland noch geflucht hab wie ein Rohrspatz, wenn irgendwas schief ging, habe ich die letzten Jahre nach dem Leitsatz gelebt, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. So musste auch mein Kokosgeraspel für etwas gut gewesen sein.

    Nun war ich dank dessen wieder in meinem gelobten Land und musste ja auch irgendwas draus machen. So nahm ich meinen längst verlorenen Traum der permanent residency in Australien wieder in Angriff.

    Eine der wenigen verbleibenden Optionen war mit einem Studium eine Grundlage zu schaffen, mit der man arbeiten kann. Wenige Wochen später fand ich mich also in Sydney wieder, wo ich einige tausend Dollar auf den Tisch legte und mich einem recht umfassenden Gesundheitscheck unterziehen musste, welchem ich trotz schwerem Kater und deutlicher Dehydration bestand. So sollte meinem Studium für ein Management Diplom nichts bzw. nicht mehr viel im Wege stehen.

    In Sydney zog ich kurzerhand bei Meggy ein, die zu diesem Zeitpunkt noch in einem zwei Zimmer Appartement mit einer Französin und ihrem Freund Matt zusammenlebte. Mangels Platz bestand mein Reich dann aus dem Sofa im Wohnzimmer. Da dies keine Dauerlösung war, begannen wir uns nach einer angemessenen Behausung für unser Beklopptentrio im Raum Sydney umzuschauen.

    Meggy war quasi verantwortlich für Sichtung von potentiellen Herbergen und Matt und ich unterschrieben lediglich die Bewerbungsformulare (ja, hier muss man sich mit Angabe von persönlichen Referenzen auf Wohnungen und Häuser bewerben. Bei Gelegenheit werde ich dieses komische System mal näher erläutern). Nach nur wenigen Wochen hatten wir endlich unseren Mietvertrag für ein Haus, was bis dato nur Meggy gesehen hatte.

    Unser Umzug war schnell gemacht und es war Zeit unser neues Domizil unter die Lupe zu nehmen. Es war ein am Hang gelegenes Haus mit drei Schlafzimmern, einem riesigen Wohnzimmer einer Garage und einem Mancave (def. dunkler Raum unterm Haus mit Spinnenweben behangen, wo Frauen lediglich Zutritt haben, um den Bierkühlschrank aufzufüllen). Neben den Räumlichkeiten selbst bot das Haus einen mehrstockigen Garten mit wildem Bewuchs und jeder Menge Potential, wenn man nur genügend Zeit investieren würde.

    Da wir nicht wussten, was wir mit so viel Platz anfangen sollten, dauerte es nicht lange bis eine Bar und ein Billiard Tisch im Wohnzimmer Platz gefunden hatten. Als altgedienter Bauer machte ich mir in schweisstreibender Kleinstarbeit zur Aufgabe den Garten auf Vordermann zu bringen. Derzeit sieht es danach aus als würde sich das als Lebensaufgabe herausstellen, da die Vormieter nicht das Unkraut entfernt, sondern schlimmer noch, lediglich zurückgeschnitten haben.

    Da ich mir jedoch als Landschaftsgärtner im eigenen Heim nicht meinen Lebensunterhalt verdienen konnte, war es an der Zeit mir ebenfalls einen Job zu suchen. Als Tellerwäscher oder Arsch für Alles wollte ich nicht wieder arbeiten und legte meinen Fokus zur Jobsuche in Lagerhäusern. Um diesbezüglich meine Jobchancen zu verbessern, machte ich erst mal meinen Gabelstablerführerschein, was erstaunlich umfassend war. Mit meinem Lappen in der Tasche und frisch bespuckten Handflächen machte ich mich dann an Bewerbungen. Da ich als ausländischer Student jedoch Visaauflagen bezüglich Arbeit habe, sollte sich die Arbeitssuche nicht so einfach gestalten. Während meiner Semester darf ich lediglich Teilzeit und in den Semesterferien Vollzeit arbeiten, was meine Auswahlmöglichkeiten deutlich einschränkte, jedoch sollte ich nach zwei Wochen auch diese Barriere übersprungen haben. Als Arbeitgeber bot sich mir eine Firma an, die in Australien Tv Homeshopping Produkte vertreibt.

    So schmeisse ich jetzt tagtäglich Pfannensets, Wischmops, Anticellulite Unterwäsche, Sportgeräte und anderen nutzlosen Scheiss aus China durch die Gegend.

    Hier könnte nun meine Geschichte mit dem Satz: „Und wenn er nicht gestorben ist…“ enden.

    Stattdessen mus es leider heissen:

    Und wenn er nicht fast gestorben wäre, würde er auch munter die nächsten 16 Monate studieren und Pfannen schubsen aber…

    …unglücklicherweise habe ich nämlich erfahren müssen, dass ich in Thailand nach meinem Unfall total falsch behandelt wurde, was sich dadurch bemerkbar macht, dass ich nun Infektionen in meinen Kieferbrüchen habe, welche die Heilung verhindern.

    Meine damalige Auslandskrankenversicherung wollte mich aus mir schleierhaften Gründen nicht weiterhin versichern und meine australische Studentenversicherung weigert sich für bereits vorhandene „Schäden“ aufzukommen. So bleibt mir nun letzten Endes nichts anderes übrig als mich als Arbeitsloser in Deutschland behandeln zu lassen.

    Das ganze macht mir natürlich mal wieder einen gewaltigen Strich durch meine Pläne. Für die Behandlung muss ich bei meinem Studium ein Semester aussetzen, was mich am Ende knapp tausend Euro mehr kosten soll und ich habe wieder eine halbe Weltreise vor mir, worauf ich mich nicht gerade freue. Auf der anderen Seite muss ich in den sauren Apfel beissen, um die Kokosnuss in letzter Instanz nicht doch noch gewinnen zu lassen.

    Wenn also alles so läuft, wie ich es mir vorstelle (ich nenne es jetzt mal nicht einen Plan), darf man mich reichlich schlecht gelaunt gegen April 2014 in Deutschland erwarten und gerne mit pürierter Currywurst oder Pizza im Krankenhaus besuchen.

    Zusammengefasst kann man sagen, dass es mir abgesehen von gesundheitlichen und finanziellen Aspekten echt blendend geht. Aber mal unter uns gesagt, wer braucht schon Geld und Gesundheit, wenn er so gut aussieht wie ich und darüber hinaus mit einem Rockstar und einer Durchgeknallten zusammen lebt. Wohlfühlfaktor und Raum zur schizophrenradikalen Wurzelschakra Entfaltung ist also gegeben und ich fühl mich Killerpudelwohl.

    Im Großen und Ganzen schliesse ich 2013 als ein Scheissjahr mit dennoch einigen positiven aszendenten ab und blicke in eine Zukunft, die nur besser werden kann. Die Vergangenheit muss man hinnehmen als das, was sie ist solange man das Negative zurücklassen und sich auf eine bessere Zukunft freuen kann.

    In diesem Sinne wünsche ich euch einen geruhsamen Jahresabschluss und eine schöne Weihnachtszeit beladen mit dem, was im Konsumwahn der letzten Wochen aufgehäuft wurde.

    Kommt mir gut ins neue Jahr, brecht wie üblich mit wehenden Fahnen die guten Vorsätze aber habt Spaß dabei, denn das ist es, worum es im Leben geht.

    Auch wenn nicht immer alles so läuft, wie ihr euch das vorstellt, nehmt es als gegeben hin, denn ihr wisst zu dem Zeitpunkt nicht, wofür das mal gut sein wird.

    Haltet die Ohren Steif und vielleicht bis bald vor Ort dann.

     

    Eurer Schroddi

     

    Mein 2013 in 9 Bildern

    Kokosinsel Koh Tao, Jan 2013
    Mein schönstes Lächeln, Koh Samui – Jan 2013
    Banana Rock, Koh Tao – the ultimate place to be – März 2013

    Sai Nuan Beach, Koh Tao – April 2013
    Outback Sonnenuntergang, Aug 2013
    Waldbrände um Sydney, Okt 2013

    Our house in the middle of a street, Sydney – Nov 2013
    Wohnzimerkneipe, Sydney Dez 2013
    Garten (ein kleiner Teil davon), Sydney Dez 2013

     

     

     

     

    Australien, Grundlegende Dinge, Neuer Ort - neues Glueck

  • Gluthitze Frühling

    Sep. 21st 2013

    By: Schroddi

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    Einige von euch erinnern sich sicherlich noch gut oder gerne an den diesjährigen angenehm kühlen Gluthitze Sommer, wie er dramatisierend von den Medien betitelt wurde. Immerhin hatte es rund 4 Wochen beinahe täglich über 30 Grad.

     

    Dem Kalender nach zu urteilen dürfte es jetzt hier allmählich Frühling sein. Die „kalte“ Winterzeit ist vorbei und das Thermometer klettert wieder langsam auf sommerliche Temperaturen. Morgen erwarten wir zum dritten Mal diese Woche sportliche 40 Grad im Schatten und die Luftfeuchtigkeit nimm ebenfalls spürbar zu.

    Sich darüber bei den Einheimischen zu beschweren ist jedoch relativ aussichtslos, da man als Antwort lediglich ein müde lächelndes „Das ist doch nicht warm. Das ist erst der Anfang.“ erwidert bekommt.

    Naja, drum lassen wir das Jammern eben sein, schwitzen weiterhin auf Hochtouren und freuen uns, dass die Temperatur, sowie die Luftfeuchtigkeit noch drastisch steigen werden.

     

    Feuchtwarme Grüße aus Australien

     

    Schroddi

     

    Wetter September

     

    Australien, Grundlegende Dinge

  • Friedrich

    Aug. 9th 2013

    By: Schroddi

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    Nachdem ich euch die letzten Eintraege mit allerlei blutigem und ekelhaften Zeug ueberhaeuft habe und dies kein Action-Thriller Blog ist, habe ich heute eine ganz harmlose und unblutige Geschichte.

    Heute moechte ich euch naemlich von Friedrich erzaehlen. Friedrich war mein neumodisches Haustier. Da ich immer in Bewegung bin und mich selten laenger an einem Ort aufhalte, brauchte ich ein Haustier, welches echt Pflegeleicht ist, Problemlos und ohne Quarantaene internationale Reisen begleiten kann und darueber nicht viel kostet.

    Friedrich war fuer mich einfach das perfekte Hauttier. Er kümmerte sich selbst um seine Verpflegung und folgte mir auf Schritt und tritt.

    Wie das geht, fragt ihr euch?

    Ganz einfach Friedrich war ein Hakenwurm, lebte in meinem Fuss und ernährte sich von mir. An einem mit Hundekot belasteten Strand lief er mir zu, biss sich durch meine Haut und lebte von da an direkt unter der Haut in meinem Fuss.

    Taeglich konnte ich beobachten, wie er selbststaendig in meinem Fuss Gassi ging und sich dabei sich Zentimeter fuer Zentimeter von Zeh zu Zeh bewegte. Aus mir unerklärlichen Gründen fand meine Schwester meinen neuen Kumpel nicht so cool wie ich und ueberredete mich tagelang zum Arzt zu gehen, um Friedrich ein anderes Zuhause zu geben.

    Nach eindringlichem Bitten, machte ich mich dann letztendlich auf den Weg. Herr Doktor warf einen kuren Blick auf Friedrichs gut erkennbare Gassi-Strecke und gab mir eine ganze Tüte Pillen mit. Zur Abwechslung handelte es sich mal nicht um Antibiotika, was mich schwer ueberraschte.

    So machte ich mich erstmal im Internet schlau, was es denn mit den Pillchen auf sich hatte.  Neben starkem Haarausfall fanden sich noch eine ganze Reihe weitere fieser Nebenwirkungen. Da ich mein Haustier gar nicht so schlimm fand und meine Arschbehaarung gerne behalten wollte, entschied ich mich dann halt gegen die Chemotherapie in Pillenform und wollte Friedrich einfach aussitzen, da diese Art von Würmern im menschlichen Körper ohnehin nicht länger als ein paar Wochen oder Monate überleben kann. Das hatte mir zumindest nach Selbstdiagnose Internet Dr. Google verraten. So hatten wir beide noch eine gute Zeit zusammen und ich fühlte mich nicht mehr ganz so einsam auf der Welt. Zwei Monate später sind wir sogar noch zusammen nach Australien geflogen, wo mein neuer bester Freund Friedrich dann leider nach einer Weile die Kurve gekratzt hat.

    Möge er in Frieden ruhen.

     

    Es krabbelt/kriecht/fliegt - ich mag es nicht, Herr Doktor, kann man das wieder annähen?, Thailand

  • Nachsorge – Jetzt faengt der Horror erst an 3/3

    Juli 16th 2013

    By: Schroddi

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    Wieder gingen 4 Wochen ins Land und bis auf meinen schmerzenden gebrochenen Backenzahn schien die Genesung voran zu gehen. Sogar meine Fusszehen waren annaehernd verheilt.

    Meine (hoffentlich) vorerst letzten Termine im Krankenhaus, sowie beim Zahnarzt standen an. Wieder buchte ich mir Faehr- und Bustransfers und wollte mich in den fruehen Morgenstunden zur Faehre machen. Irgendwie schienen jedoch meine Tickets wie vom Erdboden verschluckt. Zwei Tage zuvor hatte ich sie auf meinen Schreibtisch gelegt, seitdem nicht mehr angefasst und sie waren weg. Ich wollte es nicht glauben, stellte binnen kuerzester Zeit meine ganze Bude auf den Kopf, doch sie liessen sich nicht mehr finden.

    Mir blieb also nichts anderes uebrig als zum Hafen zu fahren, um zu versuchen mit verbaler Ueberzeugungskraft kostenlos Ersatztickets zu bekommen. Leider sollte ich damit nicht wirklich Glueck haben. Die Dame am Schalter konnte zwar im System sehen, dass von meinem Buchungsbuero ein Ticket ausgestellt wurde, jedoch nicht auf meinen Namen, sodass sie mir ein kostenloses Ersatzticket verweigerte. Dennoch bot sie mir an, ein Neues zu kaufen, die Bestaetigung von meinem Buchungsbuero einzuholen und mir das Geld dann erstatten zu lassen. Na, besser als nichts und eine andere Wahl hatte ich nicht, da die Lady am laengeren Hebel sass und biegsam wie Stahl war (diese Schabracke auf ueber 2000 Grad zu erhitzen schien mir jedoch unmoeglich).

    Letztendlich im Krankenhaus angekommen, bestand meine Nachsorgeuntersuchung lediglich in der Frage, ob ich meine Hand wieder einwandfrei bewegen koenne. Spitze, so bereute ich wenigstens nicht meinen Zahnarztbesuch aufgeschoben zu haben, um nicht ganz umsonst nach Koh Samui gefahren zu sein. Vor diesem Termin hatte ich grossen Bammel, da es sich in meinen Augen als nicht ganz einfach erweisen sollte, direkt an der Bruchstelle meinen groessten Zahn aus dem einen Knochenende und die abgebrochene Wurzel aus dem anderen Ende zu ziehen. Zu meinem Erstaunen ging jedoch alles relativ recht einfach von der Hand. Bis auf ein Ziehen spuerte ich dank der Betaeubung nichts und war den Mist schnell los. Da ich jetzt ohnehin vor Ort war und noch etwas Zeit hatte, wollte ich noch mal meinen Grinsekatzen-Kieferchirurgen besuchen, um ihn zu fragen, ob man das Entfernen der Schrauben aus dem Kiefer, sowie die Backenzahnimplantage in einem Rutsch machen koennte, wenn ich denn sowieso schon in Vollnarkose bin.

    Am Empfang im Krankenhaus wurde mir bei meinem Anliegen entgegnet, dass bei einer Arztkonsultierung Kosten anfallen. Das sah ich jedoch nicht ein, da ich…

     

    1. Stammkunde bin und meine Versicherung mittlerweile rund 20.000 Euro an das Krankenhaus gezahlt hat.
    2. mit dem Arzt reden will, um herauszufinden, ob er mir eine kostenpflichtige Zusatzleistung machen kann.

     

    Als ich anschliessend ins Sprechzimmer stuermte zuckte dieser etwas zusammen und ich beruhigte ihn mit den Worten, dass ich auch diesmal nicht komme, um ihn umzubringen.

    So fragte ich ihn nach der Moeglichkeit zur Kombination der beiden Operationen, was er mit der Begruendung abtat, dass kein Mensch einen neuen Backenzahn braeuchte. Es wuerden viele Menschen in Thailand mit wesentlich weniger Zaehnen leben. Er mochte zwar recht haben, jedoch wuerde ich mich mit einem Backenzahnersatz wesentlich besser fuehlen. Irgendwie verschwaetzten wir uns jedoch und am Ende habe ich leider keine Antwort mehr auf meine Frage bekommen. Stattdessen fragte ich ihn nach meiner angeblichen Zahnwurzelentzuendung, die nach meiner Internetrechersche beim besten Willen nicht nach einer Solchen aussieht. Nach einem Blick auf das MRT meinte er wie ueblich gut gelaunt, dass das eine Zyste oder ein Tumor sein koennte. Man sollte es auf jeden Fall mal im Auge behalten. Hey, das waren doch zur Abwechslung mal gute Nachrichten. Ich kann mir einfach nicht erklaeren, warum ich diesen Mann nicht wieder sehen will…

    Auch an diesem Tag liess mich er Transfer-Bus wieder unruhig werden, sodass ich am Ende schon wieder die Faehrgesellschaft am Telefon hatte, welche mir jedoch versicherte, dass der Fahrer auf dem Weg sei. Gluecklicherweise war dem auch so. Zwar hatte man meinen Abholservice im System verbucht und mich auch bis an den Pier gebracht, jedoch liess man mich auch hier jeglicher Argumentation zum Trotz ohne Ticket nicht aufs Boot und ich musste mir erneut ein zweites Ticket kaufen.

    Zwei Tage spaeter bin ich dann wie abgemacht mit meiner Buchungsbestaetigung fuer meine verlorenen Tickets an den Schalter der Faehrgesellschaft gekommen, jedoch arbeitete dort eine andere Dame, die darauf verwies, dass ich das Geld höechstens vom Buchungsbuero zurueck bekommen wuerde. Von der Abmachung mit Ihrer Kolleging wollte sie nichts wissen. Ratet mal, an wen mich das Buchungsbuero verwiesen hat, als ich dort um Erstattung gebeten habe… Das Geld habe ich also abschreiben muessen.

    5 Tage spaeter habe ich dann meine Sachen zwecks Abreise gepackt und auch da sind die Tickets nicht mehr aufgetaucht. Sollten sie irgendwann noch mal gefunden werden, werde ich sie mir wohl rahmen und uebers Klo haengen. Drauf geschissen.

    Dies köennte jetzt das Ende der Geschichte sein, wenn man meinem Grinsekatzenchirurgen glauben moechte. Er hat mir hoch und heilig versprochen, dass mein Kiefer wieder verheilt und eine Roentgenkontrolle absolut unnoetig sei.

    Da ich auch 3 Wochen, nachdem mir der gebrochene Zahn gezogen wurde noch nicht auf der rechten Seite kauen konnte, habe ich mir mal so zu sagen auf den Zahn gefuehlt und konnte selbst mit meinem Finger noch spueren, wie sich beim Bewegen des Kiefers die beiden Knochenenden verschieben. Aber immerhin bin ich nach nun ueber einem halben Jahr auf dem Wege der Besserung. Klopf auf Holz.

    Nun koennte die Geschichte an dieser Stelle beinahe zu Ende sein, wenn da nicht noch etwas Altmetall in meinem Kiefer verblieben waere, mir nach wie vor ein Backenzahn fehlt und Irgendwie noch nicht alles so fest sitzt, wie mein Doc behauptet. Dennoch werde ich dieses Thema im Blog nun (vorerst) beenden, denn ich habe ja noch ein paar andere kranken Storys auf Lager.

    So bleibt mir an dieses Stelle nur eine Entschuldigung, falls dem Einen oder Anderen bei der Geschichte etwas unwohl geworden ist, jedoch habt ihr damit das geringere Uebel. Ich nehme an, tauschen wuerde niemand wollen, oder?

    Im endeffekt bin ich gluecklich, dass ich nach all dem nicht aussehe wie ein Zentner Gehacktes und freue mich im nachhinein ueber das, was passiert ist, denn alles ist fuer irgendwas gut und ich denke ich kann langsam den Sinn dieses Unfalls schemenhaft erkennen.

    Mein Fazit also:

    1. Das Sprichwort eine verdammt harte Nuss zu sein muss seinen Ursprung in den Tropen haben!

    2. Krankenhaeuser in Schwellenlaendern sind gar nicht so schlecht wie ihr Ruf (wenn man mal von den Kleinigkeiten absieht)!

    3. Auch Krankenkassen muessen gelegentlich bluten!

    4. Kleine (Ein)schlaege auf den Kopf erhoehen das Schreibvermoegen!

     

    Haltet euch dennoch fern von allem, was von Baemen fallen kann (inkl. bescheuerten Katzen)

    Hals- und Beinbruch,

     

    Schroddi

    Herr Doktor, kann man das wieder annähen?, Thailand

  • Nachsorge – Jetzt faengt der Horror erst richtig an 2/3

    Juli 11th 2013

    By: Schroddi

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    Wiederum 2 Wochen spaeter sollte es dann endlich soweit sein. Vorweg hatte ich die gleiche Prozedur. Tickets waren alle gebucht, jedoch bekam ich keinen Platz mehr auf meiner regulaeren Faehre zurueck nach Koh Tao, sondern musste mit einer anderen Faehrlinie sowohl das Schiff als auch den Bustransfer buchen.

    Im Krankenhaus angekommen schickte man mich umgehend in die Notaufnahme, wo mir die Splinte ambulant aus der Hand gezogen werden sollten. Auch das hatte ich vor ein paar Jahren schon einmal und freute mich nicht wirklich auf diese Prozedur. Der Spass begann mit einer Betaeubungsspritze, welche zwar die Haut fuer Schnitte unempfindlich machte, jedoch nicht wesentlich tiefer wirken sollte. So machte sich nun Frau Dr. mit einer ganzen Armarda Schwestern dran, meine Hand aufzuschneiden, um mit einer Zange nach dem ersten Metallstift zu wuehlen, waehrend ich tiefenentspannt da lag.

    Ha, glaubt ihr doch nicht im Ernst?! Entspannt? Hey, ich hatte die verdammten Hosen voll und war stockensteif wie versteinerten Knochen eines praehistorischen Reptils. Als sie mir dann mit Schmackes den ersten Stift aus dem Knochen riss, wusste ich auch wieder warum. Ich versuchte meinen Urzeitschrei halbherzig zu unterdruecken, was zum Glueck nicht unbemerkt blieb. Minuten spaeter wurde ich dann auf Deutsch gefragt, ob ich denn etwas Morphin wolle. Verdutzt ueber die ungewohnten deutschen Laute brauchte ich ne Sekunde und bat sie anschliessend, mir alles in die Venen zu schiessen, was irgendwie lustig macht.

    Bis dann letztendlich eine Schwester mit dem guten Stoeffche kam, war ich auch bereits Stift Nr. 2 los, da die Aertztin von unserer deutschen Konversation nicht allzu viel mitbekommen hatte – wie auch. Man legte mir also schnell einen Venenzugang und drueckte mir das gute Zeug in den Arm. Ploetzlich interessierte mich meine aufgeschnittene Hand nicht mehr wirklich, da im anderen Arm ein extremes Stechen begann und ich dachte meine Hand wuerde explodieren. Ich haette nicht gedacht, dass es so schmerzhaft sein koennte, sich Drogen in den Arm zu spritzen. Die anfangs heftigen Schmerzen gingen dann jedoch relativ schnell in ein flaues Gefuehl im Bauch ueber und im naechsten Moment konnte ich quasi spueren, wie sich mein Puls verlangsamte. Auf der anderen Seite meinte dann meine Sadistenaerztin, dass sie nun alle drei Stifte draussen haette und fertig sei. Das Morphium kam also etwas spaet aber auf dem Wege hatte ich wenigstens die Gelegenheit meinen Vollrausch in aller ruhe zu geniessen. Nachdem alles geklammert und verbunden war, zug man hinter sich die Vorhaenge zu und liess mich entspannt mit dem gediegen piepsenden Herzmonitor eine Weile chillen. Nach einer guten Stunde. Besuchte mich Frau Doktor dann wieder und fragte mich, ob ich noch geknallt oder wieder halbwegs fit sei. Ich fuehlte mich gut, tiefenentspannt aber gut und erwiederte, dass ich von dem Morphium nichts mehr spueren wuerde. Daraufhin wurde ich entlassen. Gut, ich war vielleicht etwas optimistisch. Solange ich lag, spuerte ich nicht allzuviel vom Morphium, laufen war jedoch eine andere Geschichte. So versuchte ich mich zu konzentrieren gerade zu laufen, um mir nicht ganz so anmerken zu lassen, dass ich noch ganz schoen einen sitzen hatte.

    Bei der Gelegenheit wollte ich auch noch mal meinen Grinsekatzendoktor, zustaendig fuer meinen Kiefer sehen, um zu fragen, wann denn der untere Teil meiner Spange entfernt werden wuerde. Davor graute es mir besonders, denn wenn er dort so reissen wuerde, wie an der oberen Kieferhaelfte, waeren wohl alle Brueche wieder offen, zumal es wohl kaum weniger schmerzhaft sein wuerde.

    Wenig spaeter sass ich also wieder bei meinem Gesichtschirurgen. Auf meine Frage, was mit der Spange sei, meinte er, dass diese laengst raus koenne. Nach 3 Wochen sollte das alles schon bestens verheilt sein. Und wenn nicht, werden die Truemmer immerhin noch von den Schrauben zusammengehalten. Irgendwie war ich fuer den Part nicht ganz so motiviert wie aber, schliesslich war ich auch derjenige, der wieder leiden muesste.

    Dennoch wollte ich die Gelegenheit meines noch leicht anhaltenden Morphiumrausches nutzen und den Scheiss hinter mich bringen. Auf mein betteln hin, bekam ich immerhin noch 4 zusaetzliche Betaeubungsspritzenin den Mund. Letzendlich war die untere Haelfte nach ausreichend Betaeubungsmitteln, die einen Elefant haetten schlummern lassen nicht ganz so schlimm, wie beim ersten mal, jedoch reichten die Schmerzen nach wie vor aus, das Wartezimmer mit meinen Schreien in Angst und Schrecken zu versetzen. Ausgerechnet am Backenzahn, der sich direkt ueber einer Bruchstelle befand, bekam er die Spange natuerlich nicht los und ich meinte zu fuehlen, wie sich waehrend der Prozedur der gesamte Zahn verschoben hat.

    Nachdem ich mein Blut ausgespuelt hatte, scherzte mein Doc, dass ich ihn heute abend wohl besuchen und toeten wuerde, waehrend ich versuchte mein finsterstes Grinsen aufzusetzen und ihm mitteilte, dass ich ernsthaft drueber nachdachte. Letzten Endes verabschiedeten wir uns und hofften beide insgeheim uns nie wieder sehen zu muessen. Nachdem das alles ueberstanden war, stand mir noch ein weiterer unschoener Gang an diesem Tag an. Ich wollte zum angrenzenden Zahnarzt gehen , um zu checken, was mit meinem rechten Backenzahn nicht stimmte, welcher sich direkt ueber der Bruchstelle befand, mir die ganze Zeit schon schmerzen bereitete, gelegentlich knirschte und sich beim Spangen ziehen vermutlich bewegt hatte. Augrund dieser Tatsachen, erwartete ich nicht die besten Nachrichten, jedoch blieb mir nix anderes uebrig.

    Nach einer kurzen Verschnaufpause schlug ich dann also beim Zaehnemann auf und bat um ein Roentgenbild bezueglich des Backenzahns auf der echten Seite. Nachdem ich beim Roentgen also mein breitestes Laecheln abgeliefert hatte, kam der gute Mann mit einer besorgten Miene auf mich zu und meinte, dass wir ein grosses Problem auf der linken Seite haetten. „Moment, ich meinte den Backenzahn auf der Rechten Seite“, bremste ich ihn. „Ja, ja, der ist gebrochen und muss raus. Aber auf der linken Seite gibt’s einen grossen Schatten im Roentgenbild, was auf eine Zahnwurzelentzuendung hindeutet. Diesen Zahn sollten wir sofort aufbohren“.

    Nach dieser Info musste ich mich erstmal setzen. Nach einer Minute der Ueberlegung sagte ich ihm, dass da erstmal nix gebohrt wird. So bot er mir an, erstmal mit seinem Kollegen Ruecksprache zu halten, den gebrochenen Zahn koenne man aber direkt ziehen. Auf meine Frage, ob man das Loch dann direkt mit einem Implantat fuellen koenne, bekam ich direkt die naechste schlechte Nachricht ueber die Schrauben, welche im Weg seien und vorher raus muessten. Den kaputten Zahn koenne man aber direkt ziehen.

    Bezueglich dieses Angebots hatte ich eine kurze Diskussion mit mir selbst und entschied mich letztendlich, dass ich an diesem Tag schon bei Weitem genug Schmerzen ertragen hatte. Da ich ohnehin vier Wochen spaeter zur Nachkontrolle ins Krankenhaus musste, liess ich mir einen Termin fuer den besagten Tag geben, welcher gerade 5 Tage vor meiner geplanten Abreise aus Koh Tao lag.

    Zurueck am Krankenhaus wartete ich dann auf den Bus, welcher mich zur Faehre bringen sollte. Und wartete und wartete und wartete. Also nur noch eine gute Stunde bis zur Abfahrt des Schiffes war, wurde ich schwer ungeduldig, da ich keine Lust hatte, mich wegen irgendwelcher Schlamper eine nacht Auf Koh Samui einzubuchen. So rief ich letztendlich beim Faehrunternehmen an und bekam gesagt, dass man leider kein Bus zur Verfuegung habe. Na ganz toll! Kurzfristig schnappte ich mir also ein wesentlich teureres Taxi und machte dem Fahrer Dampf unterm Hintern. Ich versprach ihm einen Bonus, wenn er mich rechtzeitig an der Faehre absetzen wuerde. Er schien dieses Geld wirklich zu wollen und drueckte aufs Gas als gaebe es einen Morgen mehr. Mangels Anschnallgurten bangte ich langsam um mein Leben, da ich nicht fuer eine Faehrverbindung hops gehen wollte, nachdem ich diese beschissene Kokosnuss schon ueberlebt hatte. Schliesslich schafften wir es bei Zeit zum Pier und die Faehre liess noch eine geschlagene halbe Stunde auf sich warten. Die 2 Euro Bonus und 50 grauen Haare haette ich mir also sparen koennen.

    Herr Doktor, kann man das wieder annähen?, Thailand

  • Nachsorge – Jetzt faengt der Horror erst richtig an 1/3

    Juli 9th 2013

    By: Schroddi

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    Zwar war ich nach gut einer Woche Krankenhausaufenthalt wieder zu Hause, jedoch sollte der Spass noch lange nicht vorbei sein. Zwei Wochen spaeter hatte ich meinen naechsten Termin zur Roentgenkontrolle und Verbandswechsel. Zudem sollten die Gummis aus meiner Zahnspange entfernt werden, sodass ich den Mund wieder oeffnen und Essen konnte. Wenigstens etwas, auf das ich mich freute.

    Um nicht fuer einen kurzen Krankenhaustermin auf Koh Samui uebernachten zu muessen, buchte ich mir also die erste und letzte Faehre des Tages inklusive Bustransfer zum Krankenhaus und zurueck, was zur Folge hatte, dass ich mich bereits um 5.15 Uhr mit dem Moped auf die Socken machen musste, um gegen 9 Uhr im Krankenhaus zu sein.

    Ohne lange Wartezeit wurde ich dort angekommen direkt in den Behandlungsraum gefuehrt, wo mein ewig grinsender Doc dann mit einer Art Nagelschwere die Gummis zerschnitt, welche meine beiden Gebisshaelften zusammen hielten. Man kann sich wohl nur schwer vorstellen, was es fuer ein ekelhaftes Gefuehl ist, nach gut 3 Wochen das erste Mal den Mund wieder zu oeffnen, wer aber jemals einen Gips hatte, weiss sicherlich, was es fuer ein aetzendes Gefuehl sein kann, wenn ploetzlich die vormals nervige Stuetze ab ist.

    Ohne die Gummies erschien mir ebenfalls die Spange in meiner oberen Kieferhaelfte nutzlos, da dort lediglich Zaehne und nicht die Knochen gebrochen waren. So fragte ich meinen Doc, ob er die nicht herausnehmen koenne, was dieser bejate.

    Spange des Grauens

    Spange des Grauens

    Was dann folgte, war wohl eine der schmerzhaftesten Prozeduren, die ich mein Leben lang ertragen habe. Mit einer Zange versuchte Mr. Grinsekatze die auf die Zaehne geklebte Spange zu loesen. Waehrend er eine Hand auf meine Stirn drueckte und mit der anderen an der Zahnge zog, dachte ich, dass er eher mein Genick als den bloeden Spangenkleber brechen wuerde. Mit diesem Scheisszeug haette man vermutlich mit ein paar tropfen problemlos einen LKW an die Decke kleben koennen. Darueber hinaus laesst sich fuer mich heute nicht mehr nachvollziehen, wie die Stahldraehte in meinem Mund verpflochten waren, jedoch meisterte mein Doc, mir waehrend der Prozedur grossflaechig das Zahnfleisch aufzureissen. Waehrend er also an meinem Gebiss zerrte, schrie ich ihm mit aller Kraft den Laden zusammen, was wohl dazu fuehrte, dass saemtliche wartende Patienten teilweise durch geschlossene Glastueren aus dem Vorraum fluechteten.

    Als ich die Spange und mit ihr einen guten halben Liter Blut endlich los war, stieg ich schweiss getraengt von der Liege und musste mich erstmal eine Minute sammeln. Ich fuehlte mich eher als haette mir der Vogel Natodraht anstatt einer Zahnspange im Mund verlegt.

    Der im Anschluss folgende Termin erschien mir bei weitem harmloser. Es sollte lediglich eine Roentgenkontrolle fuer meine gepinnte Hand werden. Zur meiner Ueberraschung bat man mich dazu die Gipsschiene abzunehmen, was ich die naechsten Wochen bereuen sollte. Im Verbandsraum bekam ich meine Schiene anschliessend wieder fixiert, jedoch war sie nicht mehr so bzw. an den gleichen Stellen gepolstert wie zuvor. Dies sollte die naechsten Tage dazu fuehren, dass die Haut ueber den aus meinem Knochen ragenden Metallstiften verletzt wurde und sich wie alles in Thailand schliesslich entzuendete. Letztendlich kostete es mich weitere fast 2 Wochen die daraus resultierende Eiterblase um meinen Metallstift wieder los zu werden.

    14 Tage spaeter sollte ich erneut einen Termin zur Roentgenkontrolle von Hand und Fuss haben. Zumindest in der Hand sah der Heilungsprozess ganz gut aus und man bat mich zwei Wochen spaeter zum Ziehen der Metallstifte wieder zu kommen. Zu meiner Verwunderung meinte die Aerztin, dass ich meine Gipsschiene von nun an nicht mehr tragen muesse. Bei meinem gebrochenen Fusszeh waren die Nachrichten leider nicht so schoen. Es hatte sich nicht viel getan. Zudem hatte ich einen weiteren geschwollenen und etwas schmerzenden Zeh, auf den ich die Aerztin hinwies. Bei genauerem Hinsehen, entdeckte sie auf dem Roentgenbild dann auch dort einen Bruch und schlug vor, diesen dann einfach mit zu bandagieren.

    Einerseits war ich ganz froh, meinen Gips los zu sein, um nach Abheilung aller oberflaechlichen Wunden nach gut 6 Wochen endlich mal wieder ins Meer springen zu koennen, andererseits brachte dies einen ganz anderen schmerzhaften Nachteil mit sich. Jedes mal, wenn ich versehentlich seitlich mit meiner Hand irgendwo aneckte (und ihr glaubt nicht, wie oft einem Schroddi das passiert), bohrte sich einer der Metallstifte tiefer in meine Hand und begannn mittlerweile am Mittelhandknochen des Mittelfingers zu scharben, was verdammt schmerzhaft ist. Von da an hatte ich quasi drei anstatt bisher zwei unbewegliche Finger und freute mich auf den befreienden Moment, an dem die Drecksdinger endlich raus kommen sollten.

    Wieder daheim angekommen konnte ich mir dann und wann natuerlich einen Blick in den Spiegel nicht verkneifen. Dabei liessen sich lustigerweise immer weider dinge entdecken, die irgendwie fremd waren. So erspaehte ich an der Operationsnarbe an meinem Kinn einige extem dicke Barthaare, die mir irgendwie komisch vorkamen. Nach einem beherzten riss mit der Pinzette stellte sich dann auch wenig spaeter heraus, dass das keine Barthaare, sondern Faeden waren, die beim Ziehen einfach mal vergessen wurden. So entfernte ich mir ueber die Wochen diverse Faeden und Knoten aus dem Kinn und der Lippe.

    Auch im Mund hatte ich noch einen Langen Faden, der auf der ganzen Laenge meiner rechten Gebissseite immer wieder in die Backe rein und wieder raus ging und an beiden Enden einen Knoten hatte, was den Faden da zwangslaeufig fixierte. Bei einem meiner naechsten Termine wollte ich meinen Grinsekatzenschlamperdoktor mal bitten, diesen Faden zu entfernen, jedoch sollte es dazu nicht kommen, da sich ein Ende des Fadens eines Tages in meiner Zahnspange verfing und ploetzlich jede Gesichtsregung unmoeglich machte.

    Wenn man nicht immer alles selbst macht, haengen Dinge gelegentlich am seidenen Faden

    Wenn man nicht immer alles selbst macht, haengen Dinge gelegentlich am seidenen Faden

    So setzte ich halt selbst zur spontanen Not-OP an, wusste jedoch nicht, wie ich den Faden im hintersten Eck meines Mundes durchtrennen sollte. Nach einer kurzen Bestandsaufnahme machte ich mir ein kurzes Bild ueber die mir verfuegbaren Hilfsmittel, welche sich auf ein Tachenmesser, eine Verbandsschere und ein Tauchermesser beschraenkte. Da das Taschenmesser zu stumpf, das Tauchermesser zu gross und rostig war, blieb mir nur die Option, mir meine Verbandsschere halb in den Hals zu schieben, womit ich nach einigen Versuchen auch erfolgreich war und wenig spaeter auch meinen letzten Faden nach etlichen Wochen losgeworden bin.

    Herr Doktor, kann man das wieder annähen?, Thailand

  • Vorgekaut

    Juli 7th 2013

    By: Schroddi

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    Obwohl ich mich an mein luxurioeses Krankenhauszimmer laengerfristig haette gewoehnen koennen, freute ich mich irgendwie, mich in meinen heimischen Gefilden zu befinden. Zugegebenermassen fehlten mir Flachbildfernseher, Klimaanlage und die suessen Krankenschwestern ein wenig, jedoch hatte ich stattdessen den Luxus von meinen Freunden im Umfeld und natuerlich Zigaretten wieder erlangt. Zu grossen Teilen in Verbaenden eingewickelt, waren meine Freizeitaktivitaeten leider etwas eingeschraenkt, jedoch versuchte ich das Beste daraus zu machen. Da ich zu Fuss nicht wirklich gut unterwegs war, hatte ich binnen Marcels Hilfe schon am Tag 2 nach meiner Rueckkehr mein Moped wieder zur Verfuegung, welches im Verhaeltnis zu mir erstaunlich wenig Schaden davon getragen hatte. Zumindest keinen Schaden, der die Fahrtuechtigkeit einschraenkte. Zwar klappperte beim Fahren mein loses Gebiss etwas, jedoch ging das im Scheppern saemtlicher loser Teile am Moped geradezu unter.

    So galt einer meiner ersten Abstecher meiner Tauchschule, wo ich binnen der letzten Woche dank meines Unfalls traurige Prominenz erlangt hatte. Viele, die mich vorher hoechstens vom Sehen kannten, kamen dann auf mich zu: „Ach du bist Schroddi, tut mir wirklich leid, was dir passiert ist“. Selbst fuer die Leute, zu denen mein Namen nicht durchgedrungen war, war ich nun immerhin „der Typ mit dem Kokosnuss schaden“. Die meisten Leute waren fasziniert, wie ich trotz meiner Verletzungen so gut drauf sein konnte, Scherze machte und in der Lage war, zu lachen ohne dabei einen Gesichtsmuskel zu bewegen. Alternativ haette ich mich natuerlich im Keller einschliessen und mir die Augen ausheulen koennen. So sehr ich Salzwasser in meinem Gesicht vermisste, war das jedoch irgendwie keine vernuenftige Option fuer mich.

    Essen stellte sich als etwas komplizierter heraus. In meinen Koerper schaffte nur, was klein genug war, durch einen Strohhalm und anschliessend noch durch eine Zahnluecke zu passen. Im Nachhinein war meine Entscheidung in jungen Jahren vehement eine Zahnspange zu verweigern goldrichtig, weil ich in diesen Tagen sonst ohne Zahnluecke wohl verhungert waere. Dennoch gestaltete sich meine Nahrungsaufnahme recht schwierig. Anfangs versuchte ich mein Glueck mit Instant Nudelsuppen. Dummerweise verstopften die Nudeln permanent alle Schlupfloecher in meinen Mund und wenn ich mit Muehe und Not die Bruehe weggesaugt hatte, sass ich vor einem Pott Nudeln, den ich nicht essen konnte und haette heulen koennen. So beschraenkte ich meine Ernaehrung anschliessend auf Bruehewuerfel, Kakao und Trinkjoghurt und war erstaunt, wie schnell sich ein Koerper tatsaechlich an Fluessignahrung gewoehnen konnte.

    Weiterhin wollte ich dann unser beinahe traditionell gemeinsames Mittagessen nicht mehr sausen lassen und begnuegte mich damit, den anderen beim Essen zuzusehen, waehrend ich meinen Kokosnuss Shake schluerfte. Meine Vergeltung an den verdammten Kokosnuessen endete in meinem taeglichen Koksnuss Shake, den ich die Rache der Untoten nannte. Da ich zu sonst nicht sonderlich viel in der Lage war, beschraenkte sich meine weitere Freizeitbeschaeftigung hauptsaechlich darin, am Computer rum zu daddeln. Da ich damit rechnete, dass ich wohl die naechsten Wochen und Monate etwas mehr Zeit vor der Kiste verbringen wuerde, installierte ich mir ein Spiel, um mir etwas die Zeit zu Vertreiben. Ungluecklicherweise war mein Laptop damit absolut nicht einverstanden und schaltete sich gut eine Woche, nachdem ich aus dem Krankenhaus zurueck war, ein letztes mal aus und machte keine weiteren Anstalten sich wieder einschalten zu lassen. Offensichtlich hatte sich mein Mainboard verabschiedet, was so ziemlich der GAU fuer jeden Laptop ist.

    So sass ich nun wieder da und ueberlegte, was mir nun fuer Hobbies zur Auswahl blieben. Da die Nachfrage nach Socken oder Pullovern in Thailand verschwindend gering ist, fiel Stricken als Option schon mal weg. Gluecklicherweise finden sich auf Koh Tao eine Masse an Geschaeften, welche mit gebrauchten Buechern handeln. Es war zwar schmerzlich preisreduzierte Mangelexemplare gebraucht in ordentlich abgegriffenen Zustand fuer teilweise mehr als den Originalpreis zu erstehen, doch eine Wahl hatte ich nicht wirklich. Auch stellten sich die Shopbesitzer bei Preisverhandlungen etwa so flexibel wie eine Kokosnussschale dar und eine Nachfrage nach Treuepunkten oder Mengenrabatt wurde mit laechelndem Kopfschuetteln erwiedert. So musste ich also in den sauren Apfel beissen (wenigstens etwas, in das ich beissen konnte) und ruinierte mich mit dem Kauf von Buechern.

    Es ist ja nicht so, als dass ich mal das eine oder andere Buch gelesen haette, nein. Ausser meinem angenehmen Schlaf auf Antibiotika und Schmerzmitteln, den ich an bis zu 16 Stunden am Tag genoss, beschraenkte sich mein Lebensinhalt fuer eine ganze Weile weitestgehend auf aneinandergereihte Buchstaben, taeglichen Verbandswechsel und Kokosnuss Shakes.

    Nach gut 2 Wochen bekam ich im Krankenhaus endlich die Gummis entfernt, welche meine beiden Gebisshaelften zusammen hielten. Dies sollte der Startschuss fuer mehr als nur meine taegliche Saeuglingsnahrung sein. Immerhin war ich nun in der Lage meinen Mund wieder so weit zu oeffnen, dass eine Gabel mit einigen Reiskoernern reinpasste. Kauen konnte ich zwar noch nicht, aber nach fast 3 Wochen der Fluessignahrung war mir das egal und ich schluckte unzerkaut, was auch immer ich in mich reinschaufeln konnte. Ungluecklicherweise war mein Magen nach so langer Zeit der Abstinenz nicht ganz so erfreut ueber feste und zu allem ueberfluss unzerkaute Nahrung, dass er mir kurzerhand alles wieder durch den Kopf gehen liess und ich die Nase von fester Nahrung erstmal ganz schnell wieder voll hatte und auf Joghurt und Kakao umstieg.

    Die naechsten Wochen mauserte ich mich dann also zu einer bandagierten Leseratte und verdrueckte taeglich etwa ein Buch. Meine persoenliche Bestleistung legte ich sogar mit gut 750 gelesenen Seiten an einem Tag hin. Das Spiel trieb ich dann fuer 5 Wochen, in denen ich knapp 30 Buecher gelesen habe. Wer also einen Buchtipp braucht, feel free to ask 🙂

    Mit der Zeit wurden meine Verbaende weniger, meine Bewegungen etwas fluessiger und als mich dann rund 7 Wochen nach meinem Unfall meine Schwester mit ihrem Freund besuchte, sollte ich immerhin wieder weitestgehend in der Lage sein, am aktiven Leben teilzunehmen und eine schoene Zeit zu haben.

    Bis dahin sollte es aber ein langer und schmerzhafter Weg werden, wie ihr in den naechsten Artikeln lesen koennt…

     

     

    Aggregatzustand: kaputt oder weg, Thailand

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