Die Meisten von euch haben sich vermutlich schon mal einen Laptop oder einen Computer gekauft.
An sich ist das keine grosse Sache. Man geht in den Laden seiner Wahl, steht ahnungslos in der Gegend rum, lässt sich nach ewiger Wartezeit von einem sogar ahnungsloseren „Fachmann“ beraten und am Ende entscheidet man sich dann für ein Modell und bereut es im besten Fall nicht einmal.
Wenn sich Schrottvögel ein neues Netbook zulegen wollen, kann sich diese einfache Prozedur allerdings ins schier unendliche ziehen. So geschehen diesen Februar. Eine Woche nachdem ich in Koh Samui aus dem Krankenhaus war, entschied sich mein gut 2 Jahre altes Netbook, sich ein letztes mal auszuschalten und in den Ruhestand zu gehen.
Da ich zu dieser Zeit quasi bettlägerisch war, fand ich das nicht wirklich witzig. Als ich wieder dazu in der Lage war, suchte ich sämtliche Computergeschäfte der Insel heim, um letztendlich herauszufinden müssen, dass die Jungs von Tuten und Blasen nicht den blassesten Schimmer hatten.

Mainboard mit Schuppenflechte
Da ich mein Baby aber nicht so einfach aufgeben wollte, schleppte ich ihn mit nach Malaysia, wo ich ohnehin eine Nacht verbringen musste. In einem grossen Shoppingcenter wurde ich dann von Laden zu Laden geschickte und landete schliesslich bei einem Mädel, die verblüffende Ähnlichkeit mit Trinity aus Matrix hatte. Wenn sie also nicht gewusst hätte, wovon sie spricht, hätte ich die Suche wohl aufgegeben. Sie versuchte die Kiste zu starten und war sich anhand des Krankheitsbildes schnell sicher, dass es sich um ein Defekt des Mainboards handeln müsse. Das hätte man zwar tauschen oder reparieren können, jedoch hätte das 2-3 Wochen gedauert und beinahe den Neupreis meines alten Netbooks gekostet.
So schien kein Weg daran vorbei zu führen mir eine neue interplanetarische Tippmaschine zuzulegen. Grundsätzlich hatte ich keine grossen Ansprüche an den Nachfolger meines Besten Stücks, auf ein paar Details kam es mir jedoch an.
Unglücklicherweise musste ich bei meiner Onlinerecherche jedoch feststellen, dass Netbooks scheinbar dank Smartphones langsam vom Markt verdrängt werden. Da die Auswahl der Anbieter recht beschränkt war, pendelte ich zwischen ASUS und ACER. ASUS hatte zwar ein paar nette Modelle im Angebot, jedoch konnten sie preislich nicht mit ACER mithalten. Die letzten Jahre hatte ich zudem viele zufriedene Nutzer von ACER Netbooks getroffen und nie etwas schlechtes gehört.
So suchte ich mir einen gutes Angebot für ein Modell meiner Wahl und bestellte es online. Da ich es nicht per Post von Deutschland oder anderswo nach Thailand verschicken lassen wollte, gab ich als Lieferadresse die von meiner Schwester an. Sie wollte mich eh in Kürze besuchen und hätte mir meine neue Errungenschaft gleich mitbringen können.
Bei der Bestellung gab ich zudem den spätest möglichen Liefertermin an, welchem ich noch einen kleinen Puffer zum eigentlichen Abreisedatum meiner Schwester hinzufügte. Beinahe täglich checkte ich online den Lieferstatus, welcher jedoch nicht über „ Zahlung erhalten“ hinausging.
Nach ein paar Tagen, eine Woche vor dem Abflug meiner Schwester, um genau zu sein, wurde ich echt ungeduldig und schrieb dem Onlineversand eine Email. Alles was ich darauf erhielt, war jedoch eine automatisch generierte Antwort Email, dass man sich meiner Anfrage so schnell wie möglich annehmen würde und man sich für meine Geduld bedankt.
Super, Geduld war das Einzige, was ich zu dem Zeitpunkt nicht hatte. So versuchte ich mein Glück nach einer Zweiten erfolglosen Email per Telefon. Wie man sich denken kann, ist es nicht das Günstigste von einem thailändischen Handy auf eine deutsche gebührenpflichtige Hotline zu telefonieren. Nach rund 20 Minuten und fast doppelt so viel verballertem Telefonguthaben mit ausgesprochen grooviger Musik am Ohr gab ich auch an der Stelle auf. Stattdessen rief ich meine Schwester an und bat sie mal ihr Glück zu versuchen. Nach einiger Zeit des Wartens hatte sie dann Glück und bekam gesagt, dass das Netbook bereits seit dem Vortag unterwegs sei.
Verärgert über die unnötigen Kosten und einen Kundenservice wie bei der Führerscheinstelle Offenbach Ost freute ich mich wenigstens, dass das Netbook immerhin noch in Zeit ankommen könnte, wenn nicht auch die Post noch einen Bock baut. Wenigstens die DHL machte seine Sache gut und meine neue Klimperkiste erreicht meine Schwester noch vor ihrer Abreise.
Eine gute Woche später nahm ich das Goldstück dann in Empfang und freute mich wie ein Glückskeks. Diese Freude verpufft jedoch schnell als ich meine ersten Erfahrungen mit Windoof 8 machte und feststellen musste, dass dieses Betriebssystem mit Fokus auf Touchscreens entwickelt wurde und auf einem Netbook nicht wirklich Sinn macht.
Bei dieser Ernüchterung sollte es jedoch nicht bleiben, denn wenn Schroddi etwas kauft muss ja schliesslich auch etwas nicht oder nur eingeschränkt funktionstüchtig sein. So sollte ich auf’s verrecken kein WLAN Signal empfangen können. Anfangs schob ich die Schuld auf Windows oder die Hardwaretreiber, was aber nach Konfiguration und etlichen Treiberupdates beinahe auszuschliessen war. Nach längerer Recherche sollte ich dann des Problems Wurzel gefunden haben. Offensichtlich hat ACER die Angewohnheit gelegentlich die Antenne des WLAN Moduls nicht oder falsch anzuschliessen, was die Krankheitssymptome meines Netbooks wirklich gut widerspiegelte (WLAN Empfang hatte ich nur bis maximal 2 Meter vom Router entfernt und auch nur, wenn absolut keine Gegenstände im Weg waren). In der darauf folgenden Korrespondenz verwies der ACER Kundenservice auf immer neuere Treiber, die man installieren könne, was jedoch alles nichts brachte und nach langem Hin und Her konnte ich die Damen und Herren schliesslich davon überzeugen, dass es sich um ein Montagsprodukt handelt, welches noch einmal etwas Aufmerksamkeit von etwas aufgeweckteren Spezialisten erfordert.
So nahm meine Schwester das Gerät nach drei Wochen Urlaub wieder mit und wollte es in Bangkok in einem ACER Shop abgeben, welche jedoch leider an diesem (Sonn)Tag alle geschlossen hatten. Theoretisch hätte man es per Post dort hin schicken können, jedoch traute ich dem ganzen nicht und bat meine Schwester es letztendlich in Deutschland einzuschicken.
Wieder in Deutschland angekommen war leider bereits die 28-tägige Rückgabefrist ausgelaufen, sodass ich das Netbook nicht mehr los wurde und die Reparatur tatsächlich die einzige Option war.
Um das Gerät einzuschicken wurde meine Schwester gebeten die Festplatte zurück zu setzen, als sie das Gerät zu diesem Zweck einschalten wollte, erschien jedoch lediglich die Meldung „NO BOOTABLE DEVICE“ was bedeutete, dass die Festplatte entweder ebenfalls aufgegeben oder sich zumindest die Kabelverbindung gelöst hatte. In jedem Fall war das blöde Teil nun komplett unbrauchbar. Nach erneuter Rücksprache mit ACER schickte sie es nun endlich ein und wartete auf Ersatz oder Reparatur.
Im Netz war der Service nicht als der Schnellste bekannt und wir stellten uns auf einige Zeit des Wartens ein. Nachdem jedoch auch nach einigen Wochen nichts passiert war, klemmte sich meine Schwester wieder ans Telefon. Gemeinsam fand man dann heraus, dass das reparierte Netbook aufgrund beschränkter geistiger Kapazitäten seitens ACER an eine falsche Adresse geschickt (Zahlendreher in der Hausnummer) und als unzustellbar zurück zu ACER geliefert werden sollte, jedoch konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht feststellen, ob es noch angekommen oder nach wie vor mit der Post unterwegs war.
Eine Woche später probierte meine Schwester ihr Glück am Telefon erneut. Diesmal bekam sie Herrn Schniedel ans Ohr, welcher wie offensichtlich alle anderen Serviceangestellten dieses Vereins nur schwer gebrochenes Deutsch sprach. Leider konnte aber auch der Schniedel nicht sagen, wo die Schrottkiste zu diesem Zeitpunkt in den ACER-Katakomben rumdödelte. Endlich platzte auch meiner Schwester der Kragen, welcher mir nun schon Wochen zuvor um die Ohren geflogen war. Sie liess ihren ganzen Frust am Schniedel aus bis dieser ganz klein mit Lümmeltüte war, sich entschuldigte und meinte, dass sie das Netbook schicken, sobald man es gefunden habe. Diese glorreiche „Wir tun, was wir können“-Aussage beruhigte natürlich nicht, wenn man gesehen hat, was man offensichtlich bei ACER so alles nicht kann. Von diesem Sachverhalt war ich derart begeistert, dass ich mich anfing nach einem passenden ASUS Netbook umzuschauen.
Nach insgesamt 5 Wochen kam mein ACER Netbook dann endlich von der Reparatur zurück. Als meine Schwester es dann einschaltete, um zu testen, ob nun wirklich alles einwandfrei funktionierte, flimmerte wieder eine wohl bekannte Nachricht auf dem Bildschirm: „NO BOOTABLE DEVICE“.
Danke ACER, das war dann wohl wieder nix. Nach erneut zähen Verhandlungen auf Deutsch-türkisch mit der ACER Telefonseelsorge erklärte man sich gnädigerweise bereit das Gerät zwecks Reparatur noch einmal unter die Lupe zu nehmen.
Erneut 2-3 Wochen später, insgesamt über 3 Monate nach meinem eigentlichen Kaufdatum kam das Netbook schliesslich auf Anhieb an der richtigen Adresse (man scheint ja immerhin lernfähig zu sein) an und funktionierte tatsächlich. Zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch bereits lange glücklicher Besitzer eines funktionierenden ASUS Laptops, welches ich mir zwischenzeitlich in Deutschland bestellt und nach Thailand schicken lassen hatte.
Demnach wollte ich mit diesem ACER-Schrott nichts mehr zu tun haben. Immerhin hatte ich ein beinahe neuwertiges Netbook, was verzweifelt einen neuen Besitzer haben wollte, wenn es denn den Weg fand. So probierte es dann sein Glück mit einer Kontaktanzeige auf Ebay. Trotz Angabe von ausschliesslich nationalem Versand fand sich ein Käufer, der das Gerät dann in die USA geschickt haben wollte. Als man ihn dann auf die hohen Versandkosten hinwies, bat er das Netbook nach Afrika zu senden.
Einerseits hätte ich den Trickbetrügern ja diese Scheisskiste an den Hals gewünscht, allerdings war es mir doch zu schade um das Geld. Nach einer Meldung an Ebay und einer erneuten Auktion sollte sich dann ein neuer (vorerst) glücklicher Käufer finden, der um die Ecke wohnte, das Gerät persönlich abholte und hoffentlich auch heute noch seinen Spass dran hat.
Der Versuch über die ACER-Hotline eine Kompensation über die mir/uns entstandenen Unannehmlichkeiten, die 3 Monate ohne einen bereits bezahlten Computer, sowie die langwierigen Versuche fähiges Personal bei der ACER Hotline zu erreichen, ging wie erwartet leer aus. Immer wieder wurden Rückrufe versprochen, welche nie stattgefunden haben. Letztendlich hat deren Zermürbungstaktik bestens funktioniert.
Wir haben aufgegeben, ich würde nie wieder ein Produkt von ACER kaufen und rate (ausser den Leuten, welchen ich ohnehin die Pest an den Hals wünsche) dringlichst von ACER ab.
Vielen Dank an meine Schwester für die unbezahlbare und nervenaufreibende Unterstützung !
Mit freundlichen Grüssen,
ein weiterer zufriedener Kunde (von ASUS)