Nachdem ich spielerisch und erfolgreich binnen kuerzester Zeit die Zertifizierung zum Advanced Open Water Diver erhalten hatte, war es Zeit fuer den naechsten Schritt in Richtung Profi. Diesmal sollte es die Ausbildung zum Rettungstaucher sein. Ein viertaegiger Kurs vollgepackt mit Theorie, Spass und echtem Drill.
Alles begann recht harmlos mit einem rund 6 stuendigen Theorie Kurs. Details bleiben euch an dieser Stelle mal wieder erspart. *gaehn
Nach einer Mittagspause sollte es jedoch mit der wesentlich interessanteren Praxis weitergehen, welche im Pool stattfand. Da der Hauptpool bereits mit diversen anderen Tauchausbildungen belegt war, wichen wir zwangslaeufig in den ungluecklicherweise um gekippten Zweitpool aus. Das Wasser war herrlich gruen und die Sichtweite betrug weniger als einen Meter. Es waren eben realistische Trainigsbedingungen fuer den worst case.
Wie immer, wenn ich auf Koh Tao ins Wasser stieg, fing es auch diesmal nach kuerzester Zeit wieder an zu regnen wie verrueckt, war aber relativ egal, da wir uns ohnehin im Wasser befanden. Vielleicht sollte das saubere Regenwasser ja den verranzten Pool wenigstens etwas aufklaren. Wir bekamen also verschiedene Abschlepp- und Rettungstechniken fuer erschoepfte, panische und bewusstlose Taucher an der Oberflaeche, sowie unter Wasser beigebracht. Alles konnten wir in dem Fall am Lebenden Objekt ueben und wir hatten eine Menge Spass. Es wurde gegroehlt, gelacht und gerettet, was das Zeug hielt. Nach rund 4,5 Stunden im Pool waren wir alle erschoepft, aufgeweicht und leicht durchgefroren, dennoch bester Laune.
Bis ich zuhause angekommen war, reichte es jedoch nicht mehr zu viel mehr als einer ausgedehnten Dusche, um die Algen und das Pool-Seegras los zu werden. Anschliessend fiel ich tot ins Bett. Am naechsten Morgen sollte es naemlich in aller Fruehe auch wieder spannend werden. Die Uebungen gingen weiter, diesmal jedoch unter Realbedingungen im Meer. Wir hatten keine Ahnung, wie das ablaufen wuerde, waren jedoch alle gespannt bis leicht nervoes, zudem unsere Ausbilderinnen auf die Frage, was wir zu erwarten haetten, lediglich ein dezent sadistisches Laecheln auf die Lippen bekammen.
Um 7.30 Uhr ging es dann aufs Boot. Unsere Ausbilderinnen, sowie drei ihrer Herlfer(innen) verkruemelten sich aufs Oberdeck, waehrend wir raus fuhren und schon mal unsere Ausruestung praeparierten. Kurz bevor es ins Wasser ging, bekamen wir dann endlich unsere Einweisung. Diese bestand darin, dass jedes Taucherpaerchen (oh gott, klingt das Wort grauenvoll, daher zukuenftig nur noch Buddy Paar genannt) jemanden zugewiesen, um auf die Person, quasi zu berteuen, denn es koennte vorkommen, dass unser Baby in die einen oder anderen Schwierigkeiten geraet. Einige davon ernster, andere harmloser. Zusaetzlich wuerden wir unter Wasser verschiedene Techniken zur Vermisstensuche ueben.
Bereits an der Oberflaeche kam es zu kleineren Problemen. So musste ich meinem Schuetzling erstmal einen Wadenkrampf beheben. Naja, ein Frauenbein ist schnell gedehnt und frisch rasierte Waden zu massieren ist auch eine meiner leichtesten Uebungen 🙂
Wir tauchten also ab. Abwechselnd mit meinem Buddy hatten wir dann diverse Situationen zu meistern. Mal wollte unser Baby Muscheln sammeln und musste auf die Finger geklopft bekommen, Mal lief ihre Maske voll Wasser und ab und an bekam sie auch Panikattacken, weil sie imaginaere Haie gesehen hatte. Ich weiss ja nicht, was die Frau in ihrem Atemluft Tank hatte, ich haette aber auch gerne mal einen Zug davon genommen. An der Oberflaeche angekommen war sie dann natuerlich erschoepft und musste zurueck zum Boot geschleppt werden. Alles lief jedoch entspannter ab, als wir uns das vorgestellt haben und fuehrte auch zum einen oder anderen Lacher…was dazu fuehrte, dass auch mir die Maske volllief und ich Wasser schluckte. Auch der zweite Tauchgang lief aehnlich ab und wir hatten wieder saemtliche Situationen meistern koennen.
Nach einer Mittagspause ging es dann wieder in eine mehrstuendige Theoriesitzung. Puh, die fiel dann schon etwas schwerer als am ersten Tag, war dann aber nach einigen Stunden auch geschafft. Am naechsten Tag, so warnte man uns vor, sollte es jedoch wild werden. Wir waren gespannt und fielen sicherlich alle an diesem Abend erschoepft aber gluecklich ins Bett.
Am naechsten Morgen liefen wir wieder frueh aus. Nach einer guten halben Stunde hielten wir in einer seichten Bucht. Auf dem Oberdeck bekamen wir gerade ein (Schein)Briefing als der Boatmaster hochgestuermt kam und uns hektisch mitteilte, dass 4 Taucher vermisst wurden.
Super, der Tag versprach spannend zu werden. Vier von uns (einer davon ich) sollten die Tauchausruestung, sowie Kompasse anlegen und systematisch in suedlicher Richtung Ausschau nach den Verschollenen halten. Die anderen Vier mussten sich in Schnorchelequipment auf dem Boot bereit halten und im Zweifelsfall an der Oberflaeche zur Hilfe eilen. Es dauerte nicht lange und wir fanden auf dem Meeresboden vier bewusstlose Taucher vor, bargen sie an die Oberflaeche und leiteten erste Hilfe in Form von Mund zu Mund beatmung ein, bis die Schnorchelkollegen zur Hilfe eilten und die Beatmung uebernahmen, waehrend wir das Trio zurueck zum Boot schleppten. Kurz vor eintreffen legten wir waehrend der Beatmung die Tauchausruestung der Opfer ab und zogen sie anschliessend an Bord, wo es mit Herzmassage und Beatmung weiterging bis unsere Ausbilder die Uebung fuer bestanden erklaerten.
Glueckwunsch, es war erstmal geschafft. Jedoch hatten wir nicht ganz die Ausruestung abgelegt, als es einen Notfall auf dem Oberdeck gab. Jemand war gestuerzt und hatte sich das Bein gebrochen. Der Patient war noch nicht voll verarztet, als bereits etwas im unteren Teil des Bootes schief zu gehen schien. Dort fanden wir eine unserer Ausbilderinnen mit einem kleinen Plastik-Delfin auf den Finger gesteckt und mit massig Ketchup an der Hand vor, was kurzfristig mal wieder fuer einen Lacher sorgte. Auch sie hatten wir verarztet als es bereits schon wieder aerger am hinteren Teil des Bootes gab, wo zwei Maedels voll mit Spaghetti sassen und offensichtlich in einen Quallenschwarm gekommen waren. Wie behandelt man so etwas? Natuerlich mit Pipi. Die haelfte von uns wollte ihn schon auspacken, als unsere Ausbilderin gluecklicherweise noch eine Flasche Essig auftrieb, was den Job auch gut tat…zur Freude der Maedels 🙂
Nach diesem Drill bekamen wir dann doch noch mal eine kurze Pause und konnten ein wenig von dem Drill entspannen. Waehrenddessen setzten wir zum naechsten Tauchplatz ueber. Dort sollte es wieder wie am Vortag zugehen. Wir bekamen ein Baby zum Sitten zugewiesen und sollten es lebend wieder mit an Bord bringen. Im Grunde lief alles wie am Vortag ab, jedoch waren die Situationen etwas herausfordernder. U.A. zog unser Baby in 20 Metern Tiefe blitzschnell seine Tauchausruestung aus und schwamm davon. Beim Auftauchen wurden dann urploetlich alle Babys bewusstlos und wir mussten sie mal wieder bergen und an Bord bringen.
Wow, wir waren alle abgeschlagen, hatten jedoch mit bravur bestanden. Nach der Nummer haetten wir uns wohl alle erstmal schlafen legen koennen, hatten jedoch lediglich eine Mittagspause, in der ich auch tatsaechlich einschlief, es dennoch noch rechtzeitig zum letzten Theorieblock mit Abschlusspruefung schaffte. Wow, es war geschafft!!!
Am naechsten Tag sollten wir noch mal eine knapp 7 stuendige erste Hilfe Auffrischung mit anschliessendem Test bekommen und waren nun offiziell anerkannte Rettungstaucher, hatten es uns auch redlich verdient.
So war mein Weg nun zur Divemaster (Tauchguide) Ausbildung geebnet. Ich nahm mir zwei Tage frei und dann sollte es wieder in die Vollen gehen…