Und wenn er nicht geplatzt ist, lebt und frisst er auch heute noch….

 

….jaaaaaa er frisst noch, nein, er platzt nicht *traeller

 

Wie nicht anders erwartet, war die Pizza dann zwei Tage spaeter auch endlich verdaut und das Leben konnte weiter gehen. Nach meiner Zertifizierung zum Rettungstaucher war es an der Zeit, erstmal ein wenig zu entspannen. Wie entspannt man am besten? Richtig, natuerlich mit Tauchgaengen. So schnappte ich mir die naechsten Tage Claus, meinen Buddy vom Rettungskurs und trug mich mit ihm fuer ein paar Tauchgaenge ein. Das sollte jedoch (mit Ausnahme eines Tauchgangs in Australien) das erste Mal sein, dass ich mich mit einem Buddy auf eigene Faust in die Unterwasser Welt begab. Zu dem Zeitpunkt waren wir beide nicht wirklich Leuchten in der Unterwasser Navigation.

 

Da Claus einen wesentlich unsicheren Eindruck machte, uebernahm ich also die Fuehrung. Ungluecklicherweise waren wir an diesem Tag nicht einmal mit Kompassen ausgestattet, was die Navigation noch einmal etwas schwieriger machen sollte (Fakt war, dass es ohne Kompass nahezu unmoeglich war. Das sollte ich jedoch erst feststellen, als es zu spaet war).

 

Auf den Ersten Blick war der Tauchplatz recht einfach. Er bestand aus einem Felsen, bis bis knapp unter die Wasseroberflaeche reichte. Von dort aus muss man nur rund 30 Meter durch das grosse nichts schwimmen und erreicht anschliessend die Felsige Kueste, was der eigentliche Tauchplatz ist, da sich dort wunderschoene Korallen, reichlich Leben und eine betauchbare Hoehle befand.

 

Der Plan war also herzlich einfach. Wir wollten den alleinstehenden Felsen von Norden anschwimmen, zu ¾ umrunden und anschliessend nach Westen auf die Kueste zuschwimmen. Ohne Kompass nahm ich mir spasshalber die im Osten stehende Sonne als Referenz. Unter Wasser stellte ich dann schnell fest, dass das nicht wirklich funktionieren sollte, da das gelbe Miststueck durch die Lichbrechung im Wasser ploetzlich genau ueber uns stand. Ok, dachte ich mir. Irgendwie wird man doch aus dem Gefuehl hinbekommen, eine ¾ Umrundung zu machen, um anschliessend in die richtige Richtung zu schwimmen. Wenig spaeter musste ich feststellen, dass dem nicht so war.

 

Ratlos trieben wir zwei Deppen dann am Felsen rum, als uns gluecklicherweise eine Gruppe Taucher entgegen kam. Ich warf einen kurzen Blick auf deren Kompass und war heilfroh, dass ich nicht meinem Gefuehl gefolgt war. Nachdem ich die ungefahere Richtung im Kopf hatten, fanden wir schliesslich unseren Weg, entdeckten eine Seeschange und vieles anderes Viechzeugs und hatten an fuer sich eienen super Tauchgang. Zwischenzeitlich haengten wir uns unauffaellig an eine andere Gruppe, die dann jedoch vor uns wieder austauchte. Wir blieben noch eine Weile unten und meine Intuition leitete uns auf dem Rueckweg wieder in die richtige Richtung zum Schiff.

 

Waehrend der Oberflaechenpause liess ich die Erkenntnis sacken, dass Navigation ohne Kompass an unbekannten Tauchplaetzen nahezu unmoeglich ist. So entschieden wir uns, uns beim naechsten Tauchgang im besten Fall wieder an die gleiche Gruppe zu haengen. Da diese jedoch vor uns aus dem Wasser waren, waren sie auch vor uns wieder drin. So blieb uns nichts anderes uebrig als uns diesmal an eine 8-Koepfige Gruenschnaebelgruppe zu haengen, welche waehrend des Tauchgangs noch Uebungen absolvieren mussten und auch sonst etwas chaotisch und nervig waren. So entschloss ich mich nach einigen Minuten, mein Glueck wieder auf eigene Faust zu versuchen. Diesmal probierte ich mich an markanten Punkten zu Orientieren und es sollte auch tatsaechlich klappen. Wir tauchten direkt am Boot wieder auf und freuten uns wie Schneekoenige.

 

Fuer die naechsten Tage, an denen ich mich als Spasstaucher eintrug, gab es jedoch leider keinen Buddy fuer mich und mir blieb leider nichts anderes Uebrig als mich an andere Gruppen zu haengen.

Meine Tauchwoche sollte ich dann mit einem echten Highlight beenden. So buchte ich mich auf einen Trip zum legendaeren Sail Rock ein. Dabei handelt es sich um einen aus dem Wasser ragenden Felsen rund 45 Bootsminuten von unserem Eiland entfernt. Dieser Tauchspot hatte eine ganz besondere Attraktion zu bieten. Hier gab es naemlich den mit dem weissen Hai potentiell gefahrlichsten Genossen unserer Ozeane.

 

Ich konnte es kaum abwarten endlich zu Bullenhaien ins Wasser zu springen. Ungluecklicherweise gibt es am Felsen stroemungsbedingt stellenweise relativ schlechte Sichtverhaeltnisse von teilweise unter einem Meter, was den beiden Tauchgaengen noch etwas mehr Thrill verleihen sollte.

 

Wir sprangen also erwartungsfroh ins Erfrischende Nass und wollten anfangs auf gut Glueck die Ostseite des Felsens erkunden. Dort tauchten wir bis auf 27 Meter bis knapp ueber eine dieser Sandverwirbelungen ab und starrten erwartungsvoll ins mysteroese Blau. Zwar entdeckten wir einige beeindruckende Fischschwaerme, jedoch sollte das Tier unserer Begierde erstmal nicht dabei sein. Zwar hatten wir einen genialen Tauchgang bis an das fuer uns moegliche Limit, jedoch war es nicht das, wofuer wir gekommen waren. Waehrend unser Guide mit einem unserer Gruppe mangels Luft austauchte, streute ich mit meinem Buddy noch ein wenig herum. Leider konnten wir nicht mehr tief genug gehen, um gute Chancen auf Haibegegnungen zu bekommen, jedoch beobachteten wir unter uns eine Gruppe, die ploetzlich hektische Zeichen gab und die Fotoapparate zueckte. Es war klar, um was es sich dabei handelte, jedoch konnten wir aufgrund der Sichtverhaeltnisse nichts erspaehen. Zurueck auf dem Boot stellte sich dann heraus, dass wir einfach nur Pech hatten und andere Gruppen etwas erfolgreicher waren.

 

Ei Hai 🙂

Beim zweiten Versuch nahmen wir uns dann die Ostseite des Felsens vor. Bingo!

Es dauerte eine Weile, doch dann wurden wir mehr als entschaedigt. Nahezu permanent schweifte der Blick ins Blaue, um wenigstens einen grossen Schatten zu entdecken. Diesmal liessen sich die Riesen nicht lumpen. Erst erspaehte ich einen grossen dunklen Umriss, nahm die Flossen in die Hand, schwamm ins Blaue auf ihn zu und Tatsache, da schwamm einer von diesen majestetischen Tieren. Sie (aufgrund der Groesse von jenseits der 3 Meter kann es kein Maennchen gewesen sein) beaeugte mich genauso neugierig wie ich sie. Sekunden spaeter verschwand sie im Nichts und kam nur Augenblicke spaeter in Augenhoehe direkt auf mich zugeschwommen. Meine Glueckshormondruese bekam in diesem Moment Traenen in die Augen und versetzte mir einen verdammt grossen Schwung an Glueckseeligkeit. Das war der Moment, auf den ich seit Monaten gewartet hatte. Dank der Neugierigkeit drehte diese unglaubliche Schoenheit erst keine 2 Meter vor mir wieder ab und mir war einfach nur noch nach einem Freudentaenzchen.

 

Bei dieser Begegnung sollte es nicht bleiben, denn ploetzlich kamen sie aus allen Loechern und wir hatten eher wir uns versahen 3 oder 4 stattliche Exemplare um uns schwimmen. Leider war unser begrenzender Faktor wieder die Grundzeit und wir mussten kurze Zeit spaeter unsere Tiefe verlassen und somit auch den Haien bye sagen.

 

Solche Tauchgaenge koennte ich von nun an jeden Tag an machen, jedoch war es langsam wieder an der Zeit, sich um den Ernst des Lebens zu kuemmern. Schliesslich hatte ich nebenbei noch eine Ausbildung zu absolvieren.

 

Worcaholic Muellmaenner im Urlaub

So stuerzte ich mich die folgende Woche in die Theorie, hatte Vorlesungen ueber Ausrottung der Haie, Risiko Management, Taucherkrankheiten und andere unschoene Dinge, steckte die Nase viel in meine Buecher und goennte mir nur ab und an einen Tauchgang, um mal wieder nass zu werden. Um zwischendurch noch etwas Abwechslung zu bekommen, trug ich mich ausserdem fuer die woechentliche Strandsaeuberung ein und werde das auch in Zukunft so beibehalten. Schliesslich will ich auch diese Insel wieder sauberer verlassen als ich sie vorgefunden habe.

 

Von den bloeden Leihflossen und aus anderen, mir unerfindlichen Gruenden (seid ihr auch schon mal Morgens aufgewacht und hattet ein Loch im Fuss? …also ohne am Abend besoffen gewesen zu sein, meine ich) hatte ich ausserdem diverse Loecher in den Fuessen, die ganz dankbar waren, mal nicht Tauchen zu gehen zu muessen, denn mit den taeglichen Salzwasser behandlungen wollten die Wunden irgendwie nicht ausheilen.

 

So war es auch an der Zeit mir mal ordentliches Equipment zuzulegen. Zwar war die oertliche Versorgung an Tauchequipment nicht schlecht, jedoch waren die Preise nicht das, was man sich in Thailand vorstellt. Ganz im Gegenteil. Mit ein paar Schnaeppchen in Deutschland haette ich garantiert noch einges Sparen koennen.

 

Dennoch schaffte ich es hier das ein oder andere Schnaeppchen abzustauben, bin jetzt wieder einige Hunderter aermer, dafuer jedoch nicht schlecht geruestet fuer das, was noch vor mir liegt…