Das Inselleben hat einen gewichtigen Nachteil. Und zwar, dass alles, was man benoetigt vom Festland herbeigeschafft werden muss, was Dinge nicht nur schnell teurer werden laesst, sondern ebenfalls die Beschaffungsdauer in die Laenge zieht. Eine Sache jedoch gibt’s auf der Insel fuer kleines Geld zu haben. Diesbezueglich moechte ich mich heute ein wenig auslassen.
Wie bereits berichtet, kostet ein Menschenleben nicht die Welt. Um Laengen guenstiger ist jedoch die Arbeitskraft. Viele Arbeiter verdienen an einem gut 12 stuendigen Arbeitstag lediglich umgerechnet 5 Euro (und sind damit happy). Warum also zum Beispiel fuer teures Geld einen Bagger auf die Insel karren lassen, wenn man stattdessen viel guenstiger 10 Arbeiter (im besten Fall mit Schaufeln) beschaeftigen kann?
Da Koh Tao eine sich relativ schnell entwickelnde Insel ist, wird entsprechend viel gebaut, wobei sich die irrwitzigsten Dinge beobachten lassen. Das meiste Suesswasser der Insel entstammt entweder einem Reservoir, aus einem Brunnen oder in schlechten Zeiten ebenfalls vom Festland importiert. Was liegt also naeher, wenn man Wasser benoetigt als einfach mal einen Brunnen zu graben. Benoetigt werden dazu ca 5 Arbeiter, etwas Holz und Seil (um einen Flaschenzug zu bauen) und diese komischen Plastikkoerbchen, welche auf der Insel haeufig als Schaufeln gebraucht werden. Von meinem Balkon aus konnte ich ueber Wochen hinweg beobachten, wie in der Nachbarschaft mit diesen einfachsten Utensilien ein Brunnen gegraben wurde. Ungluecklicherweise stellte man geraume Zeit spaeter fest, dass sich an der Grabungsstaette jedoch gar kein Wasser befinden sollte. Was liegt da also naeher als einfach mal 10 Meter weiter einen weiteren Versuch zu starten.
So kommt es, dass wir mittlerweile auf gut 50 qm vier Brunnen hatten, von denen wenigstens einer Wasser enthielt. Fuer diesen Brunnen kam dann auch jeden Morgen ein Mensch, der die Pumpe eingeschaltet hat, eine gute Stunde daneben verweilte, um sie anschliessend wieder auszuschalten. Eine Zeitschaltuhr war offensichtlich zu diesem Zeitpunkt in Thailand noch nicht erfunden oder eben teurer als den Kerl jeden Morgen eine Stunde neben der Pumpe sitzen zu lassen.
Viel interessanter sollte es jedoch werden als direkt neben uns der Bau eines vierstoeckigen Appartmentgebaeudes begann. Zu diesem Zweck wurde tatsaechlich ein Bagger besorgt, dem allerdings mancher Spielzeugbagger in deutschen Sandkaesten noch was vormachen konnte.
Begonnen wurde damit, die auf dem Gelaende stehenden Kokosnusspalmen umzulegen. Hierzu baggerte man einfach um die Wurzeln ein Loch und versuchte anschliessend die Palme umzuschubsten. Fuer 7 Palmen sollte man so beinahe eine Woche benoetigen, was daran lag, dass am ersten Tag ein Hydraulikschlauch am Bagger platzte und es einige Tage dauerte, bis man (zwangslaeufig vom Festland) Nachschub besorgt hatte.
Video: Palmenschubsen – Man beobachte die Reaktion der Palme auf das ungehobelte Verhalten des Baggers!Maus Rechtsklick -> Ziel speichern unter …abwarten… Datei im gewaehlten Verzeichnis wieder finden und ansehen
Nachdem dann endlich alle Palmen umgelegt waren, rueckten weitere 4 Maenner mit Kettensaegen an und schnitten Bretter aus den Staemmen, womit man dann die naechsten Tage einige Holzverschlaege baute, in denen dann die zukuenftigen Arbeiter untergebracht werden sollten.
Waehrend dann der Dickbaeuchtige Baggerfahrer einen rund 5 x 20 Meter langen Graben aushub, was mit dem Spielzeugbagger einige Tage in Anspruch nehmen sollte, wurden eine ganze Menge gut 5 Meter lange Stahlstangen angeliefert, welche dann von mehreren Jungs zurecht gebogen und zusammen geflechtet wurden. Am Ende sollten daraus die Stahlgerippe fuer zum Beispiel die Pfeiler entstehen, welche dann anschliessend mit Beton ausgegossen werden sollten.
Eines Morgens wurde ich dann von fremd anmutendem Gesang geweckt und musste, neugierig wie ich bin, meinen Kopf aus der Tuer stecken, um zu sehen, was jetzt wieder abgefahrenes im Gange war. Zu meiner Ueberaschung entdeckte ich neben der Baugrube, in der mittlerweile die ersten Pfeilergerippe standen, eine lange Tafel, bedeckt mit allerlei Gerichten, Blumengestecken und Buddhafiguren. Davor sass ein Moench in einer festlich gekleideten Gruppe Menschen und weihte offensichtlich die Baustelle, was mit dem Abfeuern einer gut und gerne 30 Meter langen Boellerkette besiegelt wurde. Anschliessend brachte man den Moench wieder zu einem Pick up und fuhr ihn zurueck zum Tempel. Das Arbeitsleben konnte also wieder losgehen.
Wenige Tage spaeter karrte man einen nagelneuen Betonmischer herbei, um anschliessend Stueck fuer Stueck das Fundament zu giessen. Es sollte Wochen dauern, da immer ein Teil des Fundaments ausgegraben, gegossen und anschliessend wieder zugegraben wurde, um anschliessend an anderer Stelle das Loch zu buddeln.
Wieviele Menschen braucht man nun also, um ein Beton fundament zu giessen?
In Deutschland vermutlich vier. Einen Betonmischer-Fahrer, einen, der die Betonpumpe bedient, einen, der den Pumpenruessel richtig platziert und natuerlich einen nutzlosen Vorarbeiter der in seinem Baucontainer Bier trinkt.
In Thailand benoetigt man unwesentlich mehr.
2, die Sand und kies schippen
4, die Sand und Kies zum Betonmischer tragen
1, der das Wasser aus der Tonne in den Betonmischer giesst
1, der Sand, Kies und Zement in den Betonmischer schuettet
1, der die Mischung ueberwacht und wohl der einzige, der weiss, was da vor sich geht
2, die am Ende der Wellblech-Betonrutsche den fertigen Beton richtig verteilen.
Wenn dann endlich Zeit fuer Feierabend war, wuschen sich die Arbeiter in der Wassertonne, die fuer den Betonmischer bereit stand und zogen sich in ihr selbst gebautes Slum zurueck, um dann am naechsten morgen wieder von vorne zu beginnen.
Beeindruckend fand ich am Ende, mit wie wenig diese Jungs ein Haus hochziehen.
Mit einem Spielzeugbagger, einem Betonmischer, einem Hammer und einer Kreissaege wuesste ich nicht allzuviel anzustellen und schon gar nicht, wie ich ein Haus bauen soll.
Zwar gibt es hier keinen fahrbaren Betonmischer und keine Pumpe mit 500 Meter Auslegerarm aber ihr werdet euch wundern wie effektiv die Jungs arbeiten. Dieses Schauspiel liess sich dann ueber Wochen Tag fuer Tag beobachten. Bis zu meiner Abreise nach rund 7 Wochen Bauzeit war natuerlich das Fundament noch nicht fertig gegossen und ich gehe davon aus, dass der Bau rund 2 Jahre in Anspruch nehmen koennte. Aber eins muss man den Jungs lassen, beinahe Ohne Werkzeug oder technische Hilfsmittel nicht gerade kleines Appartmentgebaeude zu bauen muss man ihnen erstmal nachmachen.
