Zwar war ich nach gut einer Woche Krankenhausaufenthalt wieder zu Hause, jedoch sollte der Spass noch lange nicht vorbei sein. Zwei Wochen spaeter hatte ich meinen naechsten Termin zur Roentgenkontrolle und Verbandswechsel. Zudem sollten die Gummis aus meiner Zahnspange entfernt werden, sodass ich den Mund wieder oeffnen und Essen konnte. Wenigstens etwas, auf das ich mich freute.
Um nicht fuer einen kurzen Krankenhaustermin auf Koh Samui uebernachten zu muessen, buchte ich mir also die erste und letzte Faehre des Tages inklusive Bustransfer zum Krankenhaus und zurueck, was zur Folge hatte, dass ich mich bereits um 5.15 Uhr mit dem Moped auf die Socken machen musste, um gegen 9 Uhr im Krankenhaus zu sein.
Ohne lange Wartezeit wurde ich dort angekommen direkt in den Behandlungsraum gefuehrt, wo mein ewig grinsender Doc dann mit einer Art Nagelschwere die Gummis zerschnitt, welche meine beiden Gebisshaelften zusammen hielten. Man kann sich wohl nur schwer vorstellen, was es fuer ein ekelhaftes Gefuehl ist, nach gut 3 Wochen das erste Mal den Mund wieder zu oeffnen, wer aber jemals einen Gips hatte, weiss sicherlich, was es fuer ein aetzendes Gefuehl sein kann, wenn ploetzlich die vormals nervige Stuetze ab ist.
Ohne die Gummies erschien mir ebenfalls die Spange in meiner oberen Kieferhaelfte nutzlos, da dort lediglich Zaehne und nicht die Knochen gebrochen waren. So fragte ich meinen Doc, ob er die nicht herausnehmen koenne, was dieser bejate.
Was dann folgte, war wohl eine der schmerzhaftesten Prozeduren, die ich mein Leben lang ertragen habe. Mit einer Zange versuchte Mr. Grinsekatze die auf die Zaehne geklebte Spange zu loesen. Waehrend er eine Hand auf meine Stirn drueckte und mit der anderen an der Zahnge zog, dachte ich, dass er eher mein Genick als den bloeden Spangenkleber brechen wuerde. Mit diesem Scheisszeug haette man vermutlich mit ein paar tropfen problemlos einen LKW an die Decke kleben koennen. Darueber hinaus laesst sich fuer mich heute nicht mehr nachvollziehen, wie die Stahldraehte in meinem Mund verpflochten waren, jedoch meisterte mein Doc, mir waehrend der Prozedur grossflaechig das Zahnfleisch aufzureissen. Waehrend er also an meinem Gebiss zerrte, schrie ich ihm mit aller Kraft den Laden zusammen, was wohl dazu fuehrte, dass saemtliche wartende Patienten teilweise durch geschlossene Glastueren aus dem Vorraum fluechteten.
Als ich die Spange und mit ihr einen guten halben Liter Blut endlich los war, stieg ich schweiss getraengt von der Liege und musste mich erstmal eine Minute sammeln. Ich fuehlte mich eher als haette mir der Vogel Natodraht anstatt einer Zahnspange im Mund verlegt.
Der im Anschluss folgende Termin erschien mir bei weitem harmloser. Es sollte lediglich eine Roentgenkontrolle fuer meine gepinnte Hand werden. Zur meiner Ueberraschung bat man mich dazu die Gipsschiene abzunehmen, was ich die naechsten Wochen bereuen sollte. Im Verbandsraum bekam ich meine Schiene anschliessend wieder fixiert, jedoch war sie nicht mehr so bzw. an den gleichen Stellen gepolstert wie zuvor. Dies sollte die naechsten Tage dazu fuehren, dass die Haut ueber den aus meinem Knochen ragenden Metallstiften verletzt wurde und sich wie alles in Thailand schliesslich entzuendete. Letztendlich kostete es mich weitere fast 2 Wochen die daraus resultierende Eiterblase um meinen Metallstift wieder los zu werden.
14 Tage spaeter sollte ich erneut einen Termin zur Roentgenkontrolle von Hand und Fuss haben. Zumindest in der Hand sah der Heilungsprozess ganz gut aus und man bat mich zwei Wochen spaeter zum Ziehen der Metallstifte wieder zu kommen. Zu meiner Verwunderung meinte die Aerztin, dass ich meine Gipsschiene von nun an nicht mehr tragen muesse. Bei meinem gebrochenen Fusszeh waren die Nachrichten leider nicht so schoen. Es hatte sich nicht viel getan. Zudem hatte ich einen weiteren geschwollenen und etwas schmerzenden Zeh, auf den ich die Aerztin hinwies. Bei genauerem Hinsehen, entdeckte sie auf dem Roentgenbild dann auch dort einen Bruch und schlug vor, diesen dann einfach mit zu bandagieren.
Einerseits war ich ganz froh, meinen Gips los zu sein, um nach Abheilung aller oberflaechlichen Wunden nach gut 6 Wochen endlich mal wieder ins Meer springen zu koennen, andererseits brachte dies einen ganz anderen schmerzhaften Nachteil mit sich. Jedes mal, wenn ich versehentlich seitlich mit meiner Hand irgendwo aneckte (und ihr glaubt nicht, wie oft einem Schroddi das passiert), bohrte sich einer der Metallstifte tiefer in meine Hand und begannn mittlerweile am Mittelhandknochen des Mittelfingers zu scharben, was verdammt schmerzhaft ist. Von da an hatte ich quasi drei anstatt bisher zwei unbewegliche Finger und freute mich auf den befreienden Moment, an dem die Drecksdinger endlich raus kommen sollten.
Wieder daheim angekommen konnte ich mir dann und wann natuerlich einen Blick in den Spiegel nicht verkneifen. Dabei liessen sich lustigerweise immer weider dinge entdecken, die irgendwie fremd waren. So erspaehte ich an der Operationsnarbe an meinem Kinn einige extem dicke Barthaare, die mir irgendwie komisch vorkamen. Nach einem beherzten riss mit der Pinzette stellte sich dann auch wenig spaeter heraus, dass das keine Barthaare, sondern Faeden waren, die beim Ziehen einfach mal vergessen wurden. So entfernte ich mir ueber die Wochen diverse Faeden und Knoten aus dem Kinn und der Lippe.
Auch im Mund hatte ich noch einen Langen Faden, der auf der ganzen Laenge meiner rechten Gebissseite immer wieder in die Backe rein und wieder raus ging und an beiden Enden einen Knoten hatte, was den Faden da zwangslaeufig fixierte. Bei einem meiner naechsten Termine wollte ich meinen Grinsekatzenschlamperdoktor mal bitten, diesen Faden zu entfernen, jedoch sollte es dazu nicht kommen, da sich ein Ende des Fadens eines Tages in meiner Zahnspange verfing und ploetzlich jede Gesichtsregung unmoeglich machte.
So setzte ich halt selbst zur spontanen Not-OP an, wusste jedoch nicht, wie ich den Faden im hintersten Eck meines Mundes durchtrennen sollte. Nach einer kurzen Bestandsaufnahme machte ich mir ein kurzes Bild ueber die mir verfuegbaren Hilfsmittel, welche sich auf ein Tachenmesser, eine Verbandsschere und ein Tauchermesser beschraenkte. Da das Taschenmesser zu stumpf, das Tauchermesser zu gross und rostig war, blieb mir nur die Option, mir meine Verbandsschere halb in den Hals zu schieben, womit ich nach einigen Versuchen auch erfolgreich war und wenig spaeter auch meinen letzten Faden nach etlichen Wochen losgeworden bin.

