Wiederum 2 Wochen spaeter sollte es dann endlich soweit sein. Vorweg hatte ich die gleiche Prozedur. Tickets waren alle gebucht, jedoch bekam ich keinen Platz mehr auf meiner regulaeren Faehre zurueck nach Koh Tao, sondern musste mit einer anderen Faehrlinie sowohl das Schiff als auch den Bustransfer buchen.
Im Krankenhaus angekommen schickte man mich umgehend in die Notaufnahme, wo mir die Splinte ambulant aus der Hand gezogen werden sollten. Auch das hatte ich vor ein paar Jahren schon einmal und freute mich nicht wirklich auf diese Prozedur. Der Spass begann mit einer Betaeubungsspritze, welche zwar die Haut fuer Schnitte unempfindlich machte, jedoch nicht wesentlich tiefer wirken sollte. So machte sich nun Frau Dr. mit einer ganzen Armarda Schwestern dran, meine Hand aufzuschneiden, um mit einer Zange nach dem ersten Metallstift zu wuehlen, waehrend ich tiefenentspannt da lag.
Ha, glaubt ihr doch nicht im Ernst?! Entspannt? Hey, ich hatte die verdammten Hosen voll und war stockensteif wie versteinerten Knochen eines praehistorischen Reptils. Als sie mir dann mit Schmackes den ersten Stift aus dem Knochen riss, wusste ich auch wieder warum. Ich versuchte meinen Urzeitschrei halbherzig zu unterdruecken, was zum Glueck nicht unbemerkt blieb. Minuten spaeter wurde ich dann auf Deutsch gefragt, ob ich denn etwas Morphin wolle. Verdutzt ueber die ungewohnten deutschen Laute brauchte ich ne Sekunde und bat sie anschliessend, mir alles in die Venen zu schiessen, was irgendwie lustig macht.
Bis dann letztendlich eine Schwester mit dem guten Stoeffche kam, war ich auch bereits Stift Nr. 2 los, da die Aertztin von unserer deutschen Konversation nicht allzu viel mitbekommen hatte – wie auch. Man legte mir also schnell einen Venenzugang und drueckte mir das gute Zeug in den Arm. Ploetzlich interessierte mich meine aufgeschnittene Hand nicht mehr wirklich, da im anderen Arm ein extremes Stechen begann und ich dachte meine Hand wuerde explodieren. Ich haette nicht gedacht, dass es so schmerzhaft sein koennte, sich Drogen in den Arm zu spritzen. Die anfangs heftigen Schmerzen gingen dann jedoch relativ schnell in ein flaues Gefuehl im Bauch ueber und im naechsten Moment konnte ich quasi spueren, wie sich mein Puls verlangsamte. Auf der anderen Seite meinte dann meine Sadistenaerztin, dass sie nun alle drei Stifte draussen haette und fertig sei. Das Morphium kam also etwas spaet aber auf dem Wege hatte ich wenigstens die Gelegenheit meinen Vollrausch in aller ruhe zu geniessen. Nachdem alles geklammert und verbunden war, zug man hinter sich die Vorhaenge zu und liess mich entspannt mit dem gediegen piepsenden Herzmonitor eine Weile chillen. Nach einer guten Stunde. Besuchte mich Frau Doktor dann wieder und fragte mich, ob ich noch geknallt oder wieder halbwegs fit sei. Ich fuehlte mich gut, tiefenentspannt aber gut und erwiederte, dass ich von dem Morphium nichts mehr spueren wuerde. Daraufhin wurde ich entlassen. Gut, ich war vielleicht etwas optimistisch. Solange ich lag, spuerte ich nicht allzuviel vom Morphium, laufen war jedoch eine andere Geschichte. So versuchte ich mich zu konzentrieren gerade zu laufen, um mir nicht ganz so anmerken zu lassen, dass ich noch ganz schoen einen sitzen hatte.
Bei der Gelegenheit wollte ich auch noch mal meinen Grinsekatzendoktor, zustaendig fuer meinen Kiefer sehen, um zu fragen, wann denn der untere Teil meiner Spange entfernt werden wuerde. Davor graute es mir besonders, denn wenn er dort so reissen wuerde, wie an der oberen Kieferhaelfte, waeren wohl alle Brueche wieder offen, zumal es wohl kaum weniger schmerzhaft sein wuerde.
Wenig spaeter sass ich also wieder bei meinem Gesichtschirurgen. Auf meine Frage, was mit der Spange sei, meinte er, dass diese laengst raus koenne. Nach 3 Wochen sollte das alles schon bestens verheilt sein. Und wenn nicht, werden die Truemmer immerhin noch von den Schrauben zusammengehalten. Irgendwie war ich fuer den Part nicht ganz so motiviert wie aber, schliesslich war ich auch derjenige, der wieder leiden muesste.
Dennoch wollte ich die Gelegenheit meines noch leicht anhaltenden Morphiumrausches nutzen und den Scheiss hinter mich bringen. Auf mein betteln hin, bekam ich immerhin noch 4 zusaetzliche Betaeubungsspritzenin den Mund. Letzendlich war die untere Haelfte nach ausreichend Betaeubungsmitteln, die einen Elefant haetten schlummern lassen nicht ganz so schlimm, wie beim ersten mal, jedoch reichten die Schmerzen nach wie vor aus, das Wartezimmer mit meinen Schreien in Angst und Schrecken zu versetzen. Ausgerechnet am Backenzahn, der sich direkt ueber einer Bruchstelle befand, bekam er die Spange natuerlich nicht los und ich meinte zu fuehlen, wie sich waehrend der Prozedur der gesamte Zahn verschoben hat.
Nachdem ich mein Blut ausgespuelt hatte, scherzte mein Doc, dass ich ihn heute abend wohl besuchen und toeten wuerde, waehrend ich versuchte mein finsterstes Grinsen aufzusetzen und ihm mitteilte, dass ich ernsthaft drueber nachdachte. Letzten Endes verabschiedeten wir uns und hofften beide insgeheim uns nie wieder sehen zu muessen. Nachdem das alles ueberstanden war, stand mir noch ein weiterer unschoener Gang an diesem Tag an. Ich wollte zum angrenzenden Zahnarzt gehen , um zu checken, was mit meinem rechten Backenzahn nicht stimmte, welcher sich direkt ueber der Bruchstelle befand, mir die ganze Zeit schon schmerzen bereitete, gelegentlich knirschte und sich beim Spangen ziehen vermutlich bewegt hatte. Augrund dieser Tatsachen, erwartete ich nicht die besten Nachrichten, jedoch blieb mir nix anderes uebrig.
Nach einer kurzen Verschnaufpause schlug ich dann also beim Zaehnemann auf und bat um ein Roentgenbild bezueglich des Backenzahns auf der echten Seite. Nachdem ich beim Roentgen also mein breitestes Laecheln abgeliefert hatte, kam der gute Mann mit einer besorgten Miene auf mich zu und meinte, dass wir ein grosses Problem auf der linken Seite haetten. „Moment, ich meinte den Backenzahn auf der Rechten Seite“, bremste ich ihn. „Ja, ja, der ist gebrochen und muss raus. Aber auf der linken Seite gibt’s einen grossen Schatten im Roentgenbild, was auf eine Zahnwurzelentzuendung hindeutet. Diesen Zahn sollten wir sofort aufbohren“.
Nach dieser Info musste ich mich erstmal setzen. Nach einer Minute der Ueberlegung sagte ich ihm, dass da erstmal nix gebohrt wird. So bot er mir an, erstmal mit seinem Kollegen Ruecksprache zu halten, den gebrochenen Zahn koenne man aber direkt ziehen. Auf meine Frage, ob man das Loch dann direkt mit einem Implantat fuellen koenne, bekam ich direkt die naechste schlechte Nachricht ueber die Schrauben, welche im Weg seien und vorher raus muessten. Den kaputten Zahn koenne man aber direkt ziehen.
Bezueglich dieses Angebots hatte ich eine kurze Diskussion mit mir selbst und entschied mich letztendlich, dass ich an diesem Tag schon bei Weitem genug Schmerzen ertragen hatte. Da ich ohnehin vier Wochen spaeter zur Nachkontrolle ins Krankenhaus musste, liess ich mir einen Termin fuer den besagten Tag geben, welcher gerade 5 Tage vor meiner geplanten Abreise aus Koh Tao lag.
Zurueck am Krankenhaus wartete ich dann auf den Bus, welcher mich zur Faehre bringen sollte. Und wartete und wartete und wartete. Also nur noch eine gute Stunde bis zur Abfahrt des Schiffes war, wurde ich schwer ungeduldig, da ich keine Lust hatte, mich wegen irgendwelcher Schlamper eine nacht Auf Koh Samui einzubuchen. So rief ich letztendlich beim Faehrunternehmen an und bekam gesagt, dass man leider kein Bus zur Verfuegung habe. Na ganz toll! Kurzfristig schnappte ich mir also ein wesentlich teureres Taxi und machte dem Fahrer Dampf unterm Hintern. Ich versprach ihm einen Bonus, wenn er mich rechtzeitig an der Faehre absetzen wuerde. Er schien dieses Geld wirklich zu wollen und drueckte aufs Gas als gaebe es einen Morgen mehr. Mangels Anschnallgurten bangte ich langsam um mein Leben, da ich nicht fuer eine Faehrverbindung hops gehen wollte, nachdem ich diese beschissene Kokosnuss schon ueberlebt hatte. Schliesslich schafften wir es bei Zeit zum Pier und die Faehre liess noch eine geschlagene halbe Stunde auf sich warten. Die 2 Euro Bonus und 50 grauen Haare haette ich mir also sparen koennen.