Wieder gingen 4 Wochen ins Land und bis auf meinen schmerzenden gebrochenen Backenzahn schien die Genesung voran zu gehen. Sogar meine Fusszehen waren annaehernd verheilt.

Meine (hoffentlich) vorerst letzten Termine im Krankenhaus, sowie beim Zahnarzt standen an. Wieder buchte ich mir Faehr- und Bustransfers und wollte mich in den fruehen Morgenstunden zur Faehre machen. Irgendwie schienen jedoch meine Tickets wie vom Erdboden verschluckt. Zwei Tage zuvor hatte ich sie auf meinen Schreibtisch gelegt, seitdem nicht mehr angefasst und sie waren weg. Ich wollte es nicht glauben, stellte binnen kuerzester Zeit meine ganze Bude auf den Kopf, doch sie liessen sich nicht mehr finden.

Mir blieb also nichts anderes uebrig als zum Hafen zu fahren, um zu versuchen mit verbaler Ueberzeugungskraft kostenlos Ersatztickets zu bekommen. Leider sollte ich damit nicht wirklich Glueck haben. Die Dame am Schalter konnte zwar im System sehen, dass von meinem Buchungsbuero ein Ticket ausgestellt wurde, jedoch nicht auf meinen Namen, sodass sie mir ein kostenloses Ersatzticket verweigerte. Dennoch bot sie mir an, ein Neues zu kaufen, die Bestaetigung von meinem Buchungsbuero einzuholen und mir das Geld dann erstatten zu lassen. Na, besser als nichts und eine andere Wahl hatte ich nicht, da die Lady am laengeren Hebel sass und biegsam wie Stahl war (diese Schabracke auf ueber 2000 Grad zu erhitzen schien mir jedoch unmoeglich).

Letztendlich im Krankenhaus angekommen, bestand meine Nachsorgeuntersuchung lediglich in der Frage, ob ich meine Hand wieder einwandfrei bewegen koenne. Spitze, so bereute ich wenigstens nicht meinen Zahnarztbesuch aufgeschoben zu haben, um nicht ganz umsonst nach Koh Samui gefahren zu sein. Vor diesem Termin hatte ich grossen Bammel, da es sich in meinen Augen als nicht ganz einfach erweisen sollte, direkt an der Bruchstelle meinen groessten Zahn aus dem einen Knochenende und die abgebrochene Wurzel aus dem anderen Ende zu ziehen. Zu meinem Erstaunen ging jedoch alles relativ recht einfach von der Hand. Bis auf ein Ziehen spuerte ich dank der Betaeubung nichts und war den Mist schnell los. Da ich jetzt ohnehin vor Ort war und noch etwas Zeit hatte, wollte ich noch mal meinen Grinsekatzen-Kieferchirurgen besuchen, um ihn zu fragen, ob man das Entfernen der Schrauben aus dem Kiefer, sowie die Backenzahnimplantage in einem Rutsch machen koennte, wenn ich denn sowieso schon in Vollnarkose bin.

Am Empfang im Krankenhaus wurde mir bei meinem Anliegen entgegnet, dass bei einer Arztkonsultierung Kosten anfallen. Das sah ich jedoch nicht ein, da ich…

 

  1. Stammkunde bin und meine Versicherung mittlerweile rund 20.000 Euro an das Krankenhaus gezahlt hat.
  2. mit dem Arzt reden will, um herauszufinden, ob er mir eine kostenpflichtige Zusatzleistung machen kann.

 

Als ich anschliessend ins Sprechzimmer stuermte zuckte dieser etwas zusammen und ich beruhigte ihn mit den Worten, dass ich auch diesmal nicht komme, um ihn umzubringen.

So fragte ich ihn nach der Moeglichkeit zur Kombination der beiden Operationen, was er mit der Begruendung abtat, dass kein Mensch einen neuen Backenzahn braeuchte. Es wuerden viele Menschen in Thailand mit wesentlich weniger Zaehnen leben. Er mochte zwar recht haben, jedoch wuerde ich mich mit einem Backenzahnersatz wesentlich besser fuehlen. Irgendwie verschwaetzten wir uns jedoch und am Ende habe ich leider keine Antwort mehr auf meine Frage bekommen. Stattdessen fragte ich ihn nach meiner angeblichen Zahnwurzelentzuendung, die nach meiner Internetrechersche beim besten Willen nicht nach einer Solchen aussieht. Nach einem Blick auf das MRT meinte er wie ueblich gut gelaunt, dass das eine Zyste oder ein Tumor sein koennte. Man sollte es auf jeden Fall mal im Auge behalten. Hey, das waren doch zur Abwechslung mal gute Nachrichten. Ich kann mir einfach nicht erklaeren, warum ich diesen Mann nicht wieder sehen will…

Auch an diesem Tag liess mich er Transfer-Bus wieder unruhig werden, sodass ich am Ende schon wieder die Faehrgesellschaft am Telefon hatte, welche mir jedoch versicherte, dass der Fahrer auf dem Weg sei. Gluecklicherweise war dem auch so. Zwar hatte man meinen Abholservice im System verbucht und mich auch bis an den Pier gebracht, jedoch liess man mich auch hier jeglicher Argumentation zum Trotz ohne Ticket nicht aufs Boot und ich musste mir erneut ein zweites Ticket kaufen.

Zwei Tage spaeter bin ich dann wie abgemacht mit meiner Buchungsbestaetigung fuer meine verlorenen Tickets an den Schalter der Faehrgesellschaft gekommen, jedoch arbeitete dort eine andere Dame, die darauf verwies, dass ich das Geld höechstens vom Buchungsbuero zurueck bekommen wuerde. Von der Abmachung mit Ihrer Kolleging wollte sie nichts wissen. Ratet mal, an wen mich das Buchungsbuero verwiesen hat, als ich dort um Erstattung gebeten habe… Das Geld habe ich also abschreiben muessen.

5 Tage spaeter habe ich dann meine Sachen zwecks Abreise gepackt und auch da sind die Tickets nicht mehr aufgetaucht. Sollten sie irgendwann noch mal gefunden werden, werde ich sie mir wohl rahmen und uebers Klo haengen. Drauf geschissen.

Dies köennte jetzt das Ende der Geschichte sein, wenn man meinem Grinsekatzenchirurgen glauben moechte. Er hat mir hoch und heilig versprochen, dass mein Kiefer wieder verheilt und eine Roentgenkontrolle absolut unnoetig sei.

Da ich auch 3 Wochen, nachdem mir der gebrochene Zahn gezogen wurde noch nicht auf der rechten Seite kauen konnte, habe ich mir mal so zu sagen auf den Zahn gefuehlt und konnte selbst mit meinem Finger noch spueren, wie sich beim Bewegen des Kiefers die beiden Knochenenden verschieben. Aber immerhin bin ich nach nun ueber einem halben Jahr auf dem Wege der Besserung. Klopf auf Holz.

Nun koennte die Geschichte an dieser Stelle beinahe zu Ende sein, wenn da nicht noch etwas Altmetall in meinem Kiefer verblieben waere, mir nach wie vor ein Backenzahn fehlt und Irgendwie noch nicht alles so fest sitzt, wie mein Doc behauptet. Dennoch werde ich dieses Thema im Blog nun (vorerst) beenden, denn ich habe ja noch ein paar andere kranken Storys auf Lager.

So bleibt mir an dieses Stelle nur eine Entschuldigung, falls dem Einen oder Anderen bei der Geschichte etwas unwohl geworden ist, jedoch habt ihr damit das geringere Uebel. Ich nehme an, tauschen wuerde niemand wollen, oder?

Im endeffekt bin ich gluecklich, dass ich nach all dem nicht aussehe wie ein Zentner Gehacktes und freue mich im nachhinein ueber das, was passiert ist, denn alles ist fuer irgendwas gut und ich denke ich kann langsam den Sinn dieses Unfalls schemenhaft erkennen.

Mein Fazit also:

1. Das Sprichwort eine verdammt harte Nuss zu sein muss seinen Ursprung in den Tropen haben!

2. Krankenhaeuser in Schwellenlaendern sind gar nicht so schlecht wie ihr Ruf (wenn man mal von den Kleinigkeiten absieht)!

3. Auch Krankenkassen muessen gelegentlich bluten!

4. Kleine (Ein)schlaege auf den Kopf erhoehen das Schreibvermoegen!

 

Haltet euch dennoch fern von allem, was von Baemen fallen kann (inkl. bescheuerten Katzen)

Hals- und Beinbruch,

 

Schroddi