Wie es im Leben eines „freien“ Menschen so ist, gibt es immer und ueberall jemanden, der sich aus mir unerfindlichen Gruenden das Recht herausnimmt einem vorzuschreiben, was man zu tun und zu lassen hat, wo man sein darf und wann man wieder gehen muss.
So kam auch bei mir irgendwann wieder der Tag, an dem ich meinen Urlauberarsch in Bewegung setzen musste, um nicht Aerger mit Personen zu bekommen, welchen ich nichts getan, geschweige denn sie je zuvor gesehen zu haben.
Um also nicht eines Tages unfreundlichst und darueber hinaus auf eigene Kosten deportiert zu werden, suchte ich mir den schnellsten, oh verzeiht, den guenstigsten Weg, diesen monstroesen Kontinent zu verlassen.
Mir war bewusst, dass zwischen mir und dem naechsten internationalen Flughafen laeppische 1.000 Kilometer lagen, die zurueckgelegt werden wollten. Als guenstigste Variante fiel der Weg ueber den nicht vorhandenen Wolken leider weg und ich buchte mir ein Busticket.
Bei dem Gedanken rund 12 Stunden eingepfercht auf einem unbequemen Bussitz Richtung Darwin zu schaukeln wurde mir gar nicht wohler und das Reisefieber hielt sich klar in Grenzen.
Am Tag 1 meiner Reise liess ich mich mit meinem Hab und Gut an der oertlichen Bushaltestelle/Tankstelle absetzen und liess doch glatt mein rosa Puschel-Kissen im Auto liegen.
Spitze, dachte ich mir, mal sehen, was als naechstes kommt. Mit rund 40 Minuten Verspaetung fuhr dann unser knallroter Bus vor und lud erstmal eine ganze Ladung Aboriginies ab.
Mit dem Hintergedanken, dass Abos keine Seife benutzen und dementsprechend riechen, konnte ich kaum noch erwarten, mich in die Raeucherkammer zu zwaengen. Gluecklicherweise funktionierte die Klimaanlage ausgesprochen gut, was nicht nur die schlechte Luft etwas verduennte, sondern mich auch ganz ordentlich frieren liess.
Im Bord-Tv liefen einige alte Kamellen, allerdings war das besser als nichts und ich zog mir halt True lies, Gullivers Reisen und einen anderen Film rein. Ok, letzterer war einfach zu schlecht, um ihn wirklich zu sehen. So versuchte ich halt eine Runde zu schlafen. Immerhin hatte ich zwei Sitze fuer mich. Nach kurzen Dehnuebungen versuchte ich mich in klassischer Origamimanier in verschiedene Jogastellungen zu falten, wurde damit allerdings auf Dauer nicht gluecklich.
Nach 7 Stunden erreichten wir mit Katherine die naechste Stadt und durften uns mal 40 Minuten die Beine vertreten. Nachdem jedoch bereits vor Stunden mein Arsch eingeschlafen war, fiel ich foermlich aus dem Bus. Ein knurrender Magen signalisierte mir, dass es mal Zeit wurde etwas zu essen. So ueberfiel ich erstmal die nahegelegene Baeckerei. Eine klare Fehlentscheidung – sollte mir zumindest mein Darm die naechsten Tage zu verstehen geben.
Weiter ging die Fahrt und es lagen noch knapp 5 Stunden vor uns. Langsam wurde es dunkel, an Schlafen war jedoch nach wie vor nicht zu denken und ich versuchte mich weiterhin auf die Glotze zu konzentrieren. Irgendwann waberte der vertraute Geruch von verbranntem Busch durch den Bus und ich wagte einen Blick aus dem Fenster. Wir fuhren inmitten durch den brennenden Busch. Wow, zugegebenermassen waren das die letzten loderndernden Feuerchen aber es stellte einfach ein optisches Spektakel dar, welches seinesgleichen sucht. Man stelle sich ein grosses Schwarz vor, sodass man nichtmal die Siloette des Horizonts erkennen kann und so weit das Auge reicht waren hunderte kleine Flaemmchen am Boden.
Die Freude waehrte jedoch nicht arg lang und mir war danach, jede Minute bis zum Ziel zu zaehlen. Als ich kurz davor stand, meine Mitreisenden nach Trombose-Struempfen zu fragen, liessen sich endlich die ersten kuenstlichen Lichter blicken, was darauf schliessen liess, dass es nicht mehr lange dauern wuerde, bis wir in der 30.000 Einwohner Staats-Hauptstadt ankommen wuerden.
Uebergluecklich stuerzte ich wenig spaeter aus dem Bus und hatte wieder wohlig warme Tropenluft um die Ohren. Diese war sogar erwartungsgemaess wesentlich waermer als in Kununurra.
So machte ich mich auf den Weg zu meiner Unterkunft fuer die kommende Nacht. Meine (zwangslaeufige Wahl) war auf ein YHA Hostel gefallen, da alles andere in der Naehe ausgebucht war. Entsprechend der ueberbuchten Unterkuenfte, hatte man auch mal kurzfirstig die Preise erhoeht, wodurch ich fuer eine Nacht so viel Zahlte, wie fuer eine ganze Woche in Bali.
Bekommen sollte ich dafuer immerhin den letzten Hochbett-Platz in einem 6-Betten Zimmer. Ausgerechnet natuerlich direkt vor der eiskalt blasenden Klimaanlage. Mal wieder war ich begeistert. Hatte ich mich nach den kalten Naechten in Kununurra endlich auf eine warme Tropennacht in Darwin gefreut, bekam ich im Endeffekt genau das Gegenteil. Vielleicht haette ich einfach unter einer Bruecke pennen sollen. Es waere zumindest ganz sicher waermer und billiger gewesen.
Na gut, ich fand mich also mit dem ab, was ich hatte und machte das Beste draus. Naemlich verliess ich diesen Kuehlschrank wieder und goennte mir stattdessen ein eiskaltes Bier in der prall gefuellten Party-Innenstadt.
Als ich irgendwann zurueck kam, um mich ins Bett zu schmeissen, sollte ich wenig spaeter auch die Nachteile einer Partystadt kennenlernen (Ich tue jetzt einfach mal so, als waere es neu fuer mich).
Die zweite Haelfte unseres Zimmers trudelte irgendwann zwischen 1 und 3 uhr morgens ein und war ordentlich angeschossen. Zuvor hatte ich mich einfach mal erdreistet die Klimaanlage auszuschalten, um nicht einen frostigen Tod zu sterben. Naja, irgendwie meinte jeder dieser Schnappsleichen eine eigene optimale Belueftungsvariante zu haben. So schien jeder von ihnen erstmal unkontrolliert an Klimaanlage und Ventilator rumspielen zu muessen. Haetten die sich nicht ne Frau suchen koennen? Da haetten se was zum rumspielen gehabt, dachte ich als zum 10. Mal einer der Saufkoeppe gegen unser Bett rannte.
Irgendwie sollte mir dieser Gedankengang direkt um die Ohren geschlagen werden, da gegen 4 Uhr eines der besoffenen Paerchen wohl die Spielregeln verletzt hatten, was einen Polizeieinsatz nach sich zog. Als das dann endlich vom Tisch war und wieder ruhe einkehrte, hatte ich immerhin noch rund 2 Stunden zu schlafen und konnte es kaum erwarten wieder auszuchecken.
Am naechsten Tag traf ich mich dann noch mal mit meinen franzoesischen Ex-Kolleginnen und wir bummelten etwas durch die Stadt…. als ploetzlich vor uns jemand auftauchte und mit einer Saege das Schloss eines Fahrrads oeffnete. Ich konnte mir einen Kommentar nicht verkneifen und fragte ihn lauthals auf diesem nicht gerade unbelebten Strassenabschnitt, ob er nun ein neues Fahrrad habe.
Fuer seine anschliessende Erklaerung bekam er von mir 10 Punkte in Sachen kreativitaet.
Er erklaerte uns, dass es sein Fahrrad sei, welches ihm vor 3 Tagen genau auf der anderen Strassenseite geklaut wurde. Nun war es wieder da, jedoch mit einem anderen Schloss. Die Polizei riet ihm am Fahrrad auf den neuen „Besitzer“ zu warten, wuerde nun jedoch in die Mittagspause gehen *hust
Wer eine solche Geschichte spontan aus dem Aermel zaubert, ist sicher kein doofer Fahrraddieb, der in der Fusgaengerzone schloesser aufsaegte. Und wenn doch, hatte er das Fahrrad verdient 🙂
Nach einer anschliessenden Runde Faulenzen am Strand war es dann langsam Zeit fuer mich, mal wieder meine Sachen zu packen und nach vorne zu fluechten. Mit dem diesmal fristgemaess bestellten Flufgafen-Shuttle ging es dann an das, was man in Australien einen internationalen nannte.
Wieder wurde ich in der Sicherheitskontrolle auseinander genommen. Sehe ich wirklich so kriminell aus? Diesmal kam ich jedoch bei der Explosivstoffkontrolle dezent ins Schwitzen, da ich die Tage zuvor noch mit einer Schrotflinte gespielt hatte. Gluecklicherweise ist jedoch alles gut gegangen und ich konnte mich zum Gate schleichen.
Naja, alles war gut gegangen und man liess mich aus dem Land. Es sollte mich diesmal nach Singapur verfrachten. Die Tickets hatte ich bereits vor rund 10 Wochen fuer 250 Dollar gekauft und mir dabei tierisch in den Arsch gebissen, da der Flug 3 Wochen frueher lediglich 99 Dollar gekostet hatte.
So wollte ich mich mal ueberraschen lassen, was ich fuer den 2,5-fachen Preis mehr bekommen sollte. Im Flieger wurden kurz nach dem Start kleine Pakete u.A. mit Decken und aufblasbaren Kopfkissen ausgegeben. Irgendwie schien ich jedoch beinahe der Einzige zu sein, der kein Paket bekommen sollte. Gleiches passierte auch bei der Essensausgabe. Langsam fragte ich mich, was die Anderen gezahlt haben mussten, um das volle Programm zu bekommen, entschied mich jedoch nicht zu fragen, um nicht am Ende noch frustrierter zu sein. Bei 99 Dollar haette ich ja nix gesagt, fuer den Preis, welchen ich letztendlich gezahlt hatte, empfand ich es jedoch als eine Schweinerei.
Immerhin wurde ich nicht noch vor der Landung irgendwo rausgeschmissen und kam wie alle Anderen nach rund 5 Stunden gegen 21.30 Uhr Ortszeit im stickigen Singapur an.
Mal wieder betrat ich den Boden eines fuer mich unbekannten Landes. Dort wuerde ich rund 2 Tage und Naechte Aufenthalt haben und hatte mich zum ersten Mal vorab absolut gar nicht ueber meinen Aufenthaltsort informiert. Dies machte sich bereits am Abflugort dadurch bemerkbar, dass mich der Grenzschuetzer in Darwin darauf aufmerksam machte, dass Singapur schon seit 25 Jahren nicht mehr in Malaysia liegt, wie ich es auf meiner Auswanderungskarte angegeben hatte. Ich nahm es sportlich. Man lernt ja nie aus.
Allgemein ist die Stadt…aehm, der Staat, meine ich, ja dafuer bekannt, extrem sauber und penibel zu sein und ich wurde schon des oefteren Gewarnt nur dort zu rauchen, wo es per Hinweisschild erlaubt war. Ich bewegte mich also in Richtung des Flughafenausgangs, wo mir hinter der Tuer ein aelterer Herr gleich ein Taxi zuwies. Eigentlich wollte ich ja erstmal eine durchziehen, erwartete jedoch nicht, dass es in der Naehe erlaubt war und schwang mich also kurzerhand in das Taxi.
Mir war bekannt, dass Singapur kein Entwicklungsland ist, jedoch hatte ich beim besten Willen nicht damit gerechnet in den kommenden 20 Minuten mehr Lamboginis, Maseratis und Benzin befeuerte „Fast and Furious“-Statisten als die vergangenen 10 Jahre zu sehen. Als sich dann vor uns die beleuchtete Skyline der beeindruckenden Stadt auftat (ich vernahm ein leises innerliches Gelaechter ueber frankfurts Bezeichnung „Mainhattan“) war ich wirklich gespannt, was mich die kommenden Tage erwarten wuerde.
Kurze Zeit spaeter wurde ich an meinem bereits gebuchten Backpackers am Stadtteil „little India“ abgesetzt und checkte erstmal ein. Diesmal war ich positiv ueberrascht. Angenehm klimatisiert, bunt, modern, freundlich und garantiert ein „place to be“. Hier wuerde ich es aushalten koennen. Nachdem ich freundlichst das Essen im Flieger verweigert bekam, fragte ich erstmal rum, wo es gutes und guenstiges Essen bekommen koennte und fand mich wenig spaeter um die Ecke vor einem echt leckeren Huehnchen Curry fuer drei Dollar sitzend wieder. Spaetestens dort beschloss ich die kommenden Tage so viel gutes Essen in mich rein zu stopfen, wie ich nur konnte. An die Tatsache, dass man das Huehnchen mit Knochen kochte, wuerde ich mich auch noch gewoehnen. Anschliessend organisierte ich mir einige sueffige Asiatenbiere und gesellte mich zu den Leuten vorm Hosteleingang. In den kommenden Stunden sollte sich Singapur als absolut interessantes Pflaster aus menschlicher Sicht entpuppen. Nicht nur war die Stadt selbst das Multikulti a la Gallusviertel auf asiatisch (mal abgesehen von der Tatsache, dass es dort kaum Assis zu geben schien), hatten auch die Reisenden die interessantesten Lebensgeschichten zu berichten.
So verbrachte ich die Nacht mit u.A. einem franzoesischen Streetworker, der gerade aus einem philipinischen Knast kam, einem hollaendischen Althippie, der in Indonesien lebte und dort Joga unterrichtete, einem englischen Schauspieler, der in Korea und und Thailand Kindern Englisch in Form von Dramakursen unterrichtete, sowie vielen anderen interessanten Menschen. Gegen halb 5 den naechsten Morgens fiel ich ins Bett und freute mich herzlich wenig die schwuelheisse Stadt wenige Stunden spaeter mit den Nachwirkungen des reinheitsgebotfreien asiatischen Bieres zu erkunden.
Rund 5 Stunden spaeter kam ich wieder zu Sinnen, holte mir eine erfrischende Dusche unter einem riesigen Duschkopf ab und eierte mit meinem gnadenlos schmerzenden Katerschaedel in die Stadt. Ich wusste weder, was ich sehen, noch, was ich machen wollte und landete daher eher unbewusst in einem KLIMATISIERTEN, 7-stoeckigen Elektrokaufhaus, wo ich mich nach und nach die Rolltreppen nach oben kaempfte und mich dabei wunderte, wie es moeglich ist, ware zu verkaufen, die im gleichen Gebaeude von mindestens 20 anderen Geschaeften ebenfalls angeboten wurde.
Nachdem ich anschliessend im Keller des Gebaeudes erneut undefinierbare, asiatische Kueche verkoestigt hatte, ging das Spiel genauso weiter. Ich arbeitete mich von einem klimatisierten Gebaeude ins naechste und hatte mir nach 5 Stunden immerhin eine neue Uhr geleistet. Wieder am Hostel angekommen, versprach ich zu spaeterer Stunde erneut an Diskussionen ueber Gott und die Welt teilzunehmen, wollte jedoch erstmal die Fuesse hochlegen und etwas an meinem Roadtrip Film zu arbeiten. Gegen 5 Uhr morgens wachte ich dann nach wie vor mit Kopfhoerern in den Ohren auf und musste mir eingestehen, dass ich meine Verabredung irgendwie verpasst haben musste. Nach einer weiteren Muetze Schlaf, checkte ich erstmal, wann ich mich wieder an den Flughafen begeben musste und fand dabei heraus, dass mir quasi noch ein ganzer Tag blieb, um mich weiterhin mit asiatischem Essen vollzustopfen, was ich dann erstmal mit einem gruenen Curry zum Fruehstueck feierte. Der weitere Tag verlief relativ unspektakulaer und nach einem herzlichen Abschied schwang ich mich wieder ins Taxi in Richtung Flughafen.
Eigentlich nahm ich mir vor, beim Check In nach Fensterplaetzen zu fragen, hatte jedoch an meinem Rucksack zu fuddeln und vergass es ebenfalls, als ich die Tickets dann in der Hand hatte.
Auf dem Weg zum ueberraschenderweise recht lasch ausfallenden Sicherheitscheck besorgte ich mir noch schnell ein Buch. Meine Wahl fiel auf die Autobiographie eines total kranken Vogels, genannt Bear Grylls (Man vs. Wild). Am Gate wurden dann die Reihen 41 bis 57 zum Boarding ausgerufen. Diesmal war ich gluecklicherweise nicht eingeschlafen und beinahe vergessen. Mit einem Blick auf mein Ticket stellte ich fest, dass ich mit 57C wohl in der letzten Reihe direkt vor der Kueche sitzen wuerde. Begeistert war ich nicht, jedoch sollte es noch dicker kommen.
Sitz Nummer C sollte ausgerechnet der mittlere Sitz im inneren Sitzblock des Fliegers sein. Toll, im Falle eines Absturz hatte ich also reichlich menschliche Airbags um mich, jedoch nahm mir das etwas meines persoenlichen Schwenkbereichs. Ich faltete mich also akribisch zusammen und klemmte mich hinter den Vordersitz. Hinter unseren Sitzen befand sich zudem direkt eine Wand und ich wunderte mich, wie es wohl moeglich sein wuerde die Sitzlehne nach hinten zu stellen. Nachdem wir dann als letztes serviert wurden und entsprechend keine Auswahl mehr hatten, stieg nach und nach ein unterschwelliger Frust in mir. So schnappte ich mir dann irgendwann eine der Flugbegleitungen und fragte dann mit dezent mitschwingendem Sarkassmus, ob sie dann bitte meinen Sitz nach hinten stellen oder Trombosestruempfe vorbeibringen koenne. Sie entschuldigte sich tausend mal, dass das nicht moeglich sei, da es sich nicht um eines der besten Flugzeuge der Airline handelte. Als ich nach oben schaute und die mit Klebeband befestigte Verkleidung sah, war mir das auch bereits bewusst geworden. Aber gut, sie wusste, dass es noch einen freien Sitz im Flieger gab, welchen sie mir suchen wollte. Wenig spaeter kam sie wieder und entschuldigte sich erneut. Diesmal, weil sie den Sitz nicht finden konnte. Jedoch praesentierte sie mir und meinem polnischen Sitznachbar einen 20 Euro Einkaufsgutschein, sowie einige Schokobonbons. Zu guter Letzt ueberreichte sie jedem von uns ein gut gefuelltes Glas mit Cognac und meinte, dass wir damit wohl etwas schlafen koennten…das sollte jedoch ein schwerer Fehler sein. Zumindest in den Augen der benachbarten Fluggaeste.
Mit meinem ebenfalls schlafgestoerten Sitznachbar stoss ich dann auf diesen beschissenen Flug an.
Waehrend um uns alles schon auf dem Weg in die Traeume war, kippten wir uns nach und nach den Cognac hinter die Binde und hatten irgendwann nicht nur an der Kabinendecke die Leuchten an. Zum Aerger unseres Umfelds entwickelte sich eine nicht leise und aeusserst angeheiterte Unterhaltung, waehrend der Kopf meines Nachbars auf der anderen Seite irgendwann auf meiner Schulter landete. Ich liess es mir gefallen, solange der Junge nicht anfangen sollte zu sabbern.
Irgendwie schien auch mein sitzeigenes Entertainmentsystem nicht mit Schroddi klar zu kommen. Einen Film brach ich bald ab, weil der Monitor staendig aussetzte. So vergnuegte ich mich mit einer Runde Schach und widmete mich anschliessend meinem neu erworbenen Buch. Bis zum Fruehstueck hatte ich Seite 200 bereits hinter mir gelassen und freute mich, dass ich es bald aus dem Hasenkaefig schaffen wuerde.
Wenig spaeter setzten wir zum Landeanflug auf Helsinki an und ich erspaehte ueber drei Koepfe hinweg Baumkronen von Nadelbaeumen, was mich langsam realisieren liess, dass ich in wenigen Minuten wieder europaeischen Boden unter den Fuessen haben wuerde, was in mir etwas gemischte Gefuehle ausloeste.
Im Flughafen huschte ich durch den gefuehlt 500. Sicherheitscheck in den letzten Tagen, legte noch kurz meinen Pass vor und wurde ohne murren in den Schuldenverbund EU gelassen. Mit einem Schweizer, welchen ich am Flughafen Singapur getroffen hatte, streifte ich dann durch saemtliche Flughafenshops auf der Suche nach etwas, das mir meinen 20 Euro Gutschein wert war.
Dazu sollte es jedoch nicht kommen, wir spruehten uns stattdessen mit Parfuemtestern ein und rochen anschliessend wie ein frisch eroeffneter Puff.
Es dauerte nicht lange Zeit und ich sass mal wieder im Flieger. Ein Fensterplatz sollte es wieder nicht werden und gewohnheitsbedingt klappte ich auch nichtmal meine Lehne nach hinten.
Nach einer Weile zog sich der Himmel zu und ich vermutete langsam in deutschem Flugraum zu sein, was der Captain wenig spaeter bestaetigte.
Nach gut 2 Stunden setzten wir zum Landeanflug an, von wo ich mir erstmals die neue frankfurter Landebahn ansah und wusste, dass dies nicht das Einzige sein wuerde, was sich in der „Heimat“ veraendert haben musste. Nach Gepaeckaufnahme und gesenktem Blick in der Zollkontrolle hatte mich Deutschland wieder und ich schloss wenig spaeter meine Verlobte Meggy (so, jetzt ist es offiziell^^) wieder in die Arme.