Aus gutem Grund hatte ich mir wenigstens einen Teil meiner Aemtergaenge bis zur letzten Woche aufgehoben.
Es handelte sich schliesslich nur um eine Kleinigkeit, die schnell abgehandelt werden wuerde. Dabei hatte ich jedoch nicht die grenzenlose Inkompetenz und Unbeholfenheit der Damen und Herren auf der gegenueberliegenden Schreibtischseite beruecksichtigt.
Ich benoetigte lediglich einen neuen internationalen Fuehrerschein, sowie ein pozileiliches Fuehrungszeugnis. Zum warm werden startete ich mit meinem Fuehrerschein, da ich diesen das letzte Mal recht schnell und unkompliziert bekommen hatte.
In der Zulassung hatte ich ueberraschend kurz zu warten bis ich am Zuge war. So wurde ich in einen Raum gebeten, in dem zwei aeltere Damen an ihren Tischen sassen. Ich bat sie also mir einen neuen internationalen Lappen auszustellen. Eine von beiden fragte mich anschliessend um meinen Personalausweis, warf einen Blick drauf und entgegnete mir lediglich, dass sie keinen Fuehrerschein koenne, da sich mein Wohnsitz nicht im Inland befaende. Ich traute meinen Ohren nicht.
Mir etwas fassungslos versuchte ich ihr zu erklaeren, dass ich meinen INTERNATIONALEN Fuehrerschein nicht braeuchte, wenn ich meinen Wohnsitz im Inland haette. Lady 1 schien das einzuleuchten, jedoch wurde ihr Gegenueber nur noch grantiger und meinte, dass wenn ich keine Adresse haette, sie keinen Lappen ausstellen koennten, da dieser meine Adresse beinhalten muesse. Gut, dass ich mehr Ahnung von Fuehrerscheinen hatte als die Damen in der Fuehrerscheinstelle (also mir waere die Tatsache an ihrer Stelle ja ausserordentlich peinlich gewesen). Nachdem ich langsam veraergert in den Raum schmiss, dass die benoetigte Fahrerlaubnis keine Wohnadresse enthaelt, wurden die damen sichtlich verunsichert. Gluecklicherweise erbarmte sich meine Sachbearbeiterin und ging ihre Kollegen fragen. Als sie zurueck kam, dauerte es keine 5 Minuten mehr und ich hatte meinen neuen Lappen in der Hand. Warum denn nicht gleich so?!
Nun war ich quasi vorgewarnt, dass bei den Aemtern vieles nicht so leicht ist wie es scheint. Was tatsaechlich noch bevorstand, haette mir wohl der schlimmste Alptraum nicht farbenfroher ausmalen koennen. Ich tingelte weiter und war nach kurzer Zeit im Buergerbuero der Stadt, wo ich zuletzt gemeldet war, um mein Fuehrungszeugnis zu beantragen.
Wieder wurde nach meinem Personalausweis verlangt und ich erhielt die gleiche Antwort… Ohne Wohnsitz im Inland waere es nicht moeglich, mir ein Fuehrungszeugnis auszustellen. Sie begruendete diese Aussage mit dem Punkt, dass sie keine Adresse haetten, um mir das Zeugnis zuzustellen. So bat ich sie, sich doch einfach die Adresse meiner Mutter zu notieren und es mir anschliessend an diese Adresse zu schicken.
Das konnte sie allerdings nach eigener Aussage nicht in ihrem hochmodernen EDV-System abbilden. Daher schlug ich ihr vor, mich wenigstens vorruebergehend einfach wieder anzumelden. Dies lehnte sie aus mir unerklaerlichen Gruenden ebenfalls ab.
So, und nun? Es war doch mein gutes Recht als immerhin Staatsbuerger des deutschen Ueberwachungsstaats meine Aufzeichnungen ausgehaendigt zu bekommen.
Langsam schien ich sie zu nerven und bekam lediglich eine Telefonnummer des Bundesamts fuer Buerokratie Verwaltung. Um nicht die Krise zu bekommen, machte ich mich dann fluchtartig auf den Heimweg und klemmte mich ans Telefon. Ohne jegliche Roboteransagen und Warteschleifen landete ich sofort bei einer Angestellten aus Fleisch und Blut. Ich war begeistert. Sollte es hier mal schnelle Fortschritte machen? Ich schilderte ihr meine Misere und konnte foermlich die Fragezeichen hoeren, die ihr ins Gesicht geschrieben waren.
Da ich nichts anderes erwartet hatte, nahm ich es gelassen. Sie bat mich, mein Problem nochmal zu schildern und stellte das Telefon auf Lautsprecher, um ihre Kollegen mithoeren zu lassen.
Mit vereintem Wissen schafften sie es dann, mich an das Bundesamt fuer Justiz zu verweisen. Ich bekam eine Telefonnummer und war wieder einen Schritt weiter. Wenn auch nur einen Kleinen.
Ich rief diese Nummer an und hatte auch gleich das Vergnuegen mit einer weiblichen Roboter stimme, die mich wie folgt durch das Menue fuehrte:
„Druecken Sie 1, um ihr persoenliches Fuehrungszeugnis zu beantragen.“
Ich drueckte 1.
„Druecken Sie 2, wenn sich ihr Wohnsitz nicht im Inland befindet.“
Ich drueckte 2.
-Kurze Stille-
„Druecken Sie 1, um ihr persoenliches Fuehrungszeugnis zu beantragen.“
Ich drueckte 1.
„Druecken Sie 2, wenn sich ihr Wohnsitz nicht im Inland befindet.“
Ich drueckte 2.
-Kurze Stille-
„Druecken Sie 1…“
„Hallo, frau Roboter, wollen Sie mich verarschen?“
So drueckte ich einfach mal 3.
Es tutete und wenig spaeter sollte ich eine Frau aus Fleisch und Blut an der Leitung haben. Mit einem dezent sarkastischen Unterton fragte ich die Dame wie lange ich 1 & 2 druecken muesse, bis ich aus der Endlosschleife wieder raus komme. Daraufhin erwiderte sie trocken, dass die Abteilung geschlossen habe und ich es einfach am Nachmittag noch mal versuchen solle. Immerhin gab sie mir eine direkte Durchwahl, um mich nicht wieder mit dem Roboterclown abgeben zu muessen.
Einige Stunden spaeter war ich dann an meinem Ziel. Ich hatte einen Herren an der Leitung, welcher mir erklaerte, dass ich ein Formular ausdrucken muesse, welches ich ausgefuellt von der Polizei beglaubigen lasse und anschliessend zurueck zum Bundesamt fuer Justitz und Telefonverarsche schicken muesse.
Das klang ja quasi zu einfach, um wahr zu sein. Ich druckte also das Formular, fuellte es aus und fuhr zur naechsten Polizeidienststelle.
Dort wedelte ich mit dem Formblatt und verlangte nach einem Glaeubiger, welcher mir meine Unterschrift beglaubigen koenne. Der Diensthabende Wachtmeister Stockimarsch schmetterte meiner Anfrage erstmal ein pauschales „Das machen wir nicht“ entgegen.
Ok, um ehrlich zu sein, hatte ich ja auch mit nix anderem gerechnet. Der nette Freund und Helfer erklaerte weiter, dass er dieses Formblatt noch nie gesehen habe und er das sowieso schon mal gar nicht unterschreiben wuerde. Die Polizei mache so etwas nicht.
Ich traute meinen Ohren nicht und versuchte ihm klar zu machen, dass der Typ vom Bundesamt fuer Justiz (also quasi jemand, der sich damit auskennen muesste) mir klipp und klar gesagt hat, dass ich das Papier bei der Polizei beglaubigenlassen solle. Darueber hinaus konnte ich ihm immerhin Schwarz auf Weiss zeigen, dass sich auf dem Papier eine freie Stelle befand, in die locker und leicht eine Unterschrift passe und darunter fett gedruckt POLIZEIDIENSTTELLE stand. Das konnte er nun nicht mehr abstreiten, dand jedoch ein neues Argument. Er wich weiterhin aus, dass eine Beglaubigung ein Siegel benoetige und alle Siegelberechtigten nun Feuerabend machen, da es bereits 16.50 Uhr war.
Wieder versuchte er die Verantwortlichkeit abzuweisen und meinte, ich solle zur Stadt gehen. Weils gerade anfing spass zu machen, behauptete ich einfach mal, dass ich schon bei der Stadt war und zur Polizei geschickt wurde. Dann wurde Herr Wachtmeister (nur weil das Wort Wachtmeister die Buchstabenkombination „Wach“ enthaelt, scheint es allerdings nicht zwangslaeufig auch so gemeint zu sein) ungeduldig und meinte, dass ich einfach nochmal auf die Stadt gehen solle und wenn sie mich wieder wegschicken, solle ich halt einfach nochmal vorbei kommen – allerdings, waehrend der Arbeitszeit der Siegeberechtigten (und am besten, wenn er nicht da ist).
Ich gab auf. Am naechsten Tag versuchte ich mein Glueck eben bei der Stadt. Die war gluecklicherweise etwas flexibler, wenn auch etwas verkappt. Ich legte das unterschriebene Papier, sowie meinen Reisepass vor. Ungluecklicherweise hatte ich bereits in deren Abwesenheit unterschrieben. So liess man mir zwei Optionen.
Entweder wuerde man anmerken, dass die Unterschrift nicht in ihrer Anwesenheit ausgestellt wurde… (na, ganz tolle idee)
…oder man wuerde meine Unterschrift durchstreichen und ich muesse nochmal unterschreiben.
Unter tosendem Applaus entschied ich mich fuer Option 2 und bekam nach zwei Tagen und etlichen gerissenen Nervenstraengen fuer nur 6 Euro endlich meinen beschissenen Stempel.
Nun koennte meine Aemtergeschichte natuerlich ein Happy End haben. Weil’s so schoen war, hab ich aber noch eine Zugabe.
Auf den letzten Druecker ist mir noch eingefallen, dass ich mir besser noch mal eine Reisepasskopie beglaubigen lasse. So ging es wieder zur Stadt (ich waer ja schoen bloed noch mal zur Polizei zu gehen). Diesmal hatte ich es jedoch nicht nur wieder mit Frau Korrintenkacker, sondern auch noch mit ihrem unfaehigen Auszubildenden zu tun.
Wie ich mir nun sicher bin, braucht man fuer einen Job bei der Stadt offensichtlich einen vermasselten Sonderschulabschluss. Selten habe ich so eine geballte Doofheit erlebt. Nicht nur, dass der Kerl nicht wusste, wie man ein Papier zusammen Tackert, geschweige denn wie man den Tacker bedient, sondern war es fuer ihn ebenfalls unmoeglich herauszufinden, was er dort beglaubigt (sogar nachdem ich ihn drauf hingewiesen habe). Dies fuehrte dazu, dass der geistig ueberbeanspruchte Azubi noch lernen musste, wie man einen Kopierer bedient (beim vierten Mal hat es geklappt). Immerhin musste ich nicht fuer die verschwendete Druckerschwaerze zahlen. Auch hatte man es leider nicht so mit der Rechtschreibung, was dazu fuehrte, dass der Gute nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch noch die Gross- und Kleinschreibung bei seiner Mentorin erfragen musste. Wieder konnte ich mir diverse Kommentare nicht verkneifen. Nach rund 20 Minuten hatte ich dann endlich meinen Stempel.
Leute, was bin ich froh, dass ich mich wieder mal auf einen anderen Kontinent verpisst habe. Ok, schreiben koennen hier vielleicht auch nicht alle aber sie probieren es dann auch wenigstens nicht.
Uebrigens sammel ich gerade Unterschriften fuer meine Petition
„Versetzt unfaehige Behoerdenmitarbeiter auf Fischkutter oder in die Muellsortierung“