Kann man eigentlich einen Kulturschock in der Heimat bekommen?
Ich konnte mir das nicht so recht vorstellen, jedoch hatte mich Meggy, die ja bereits mehr erfahrung mit laengeren Auslandsaufenthalten hatte, vor allerlei komischen Dingen gewarnt.
So sollte ich auch gleich ins Straucheln kommen, als ich das erste Mal im Laden stand und mir was kaufen wollte. Laessig ging ich zum Kassierer und wollte lediglich eine Packung Tabak kaufen. Ich kam also an der Kasse an und wartete auf das uebliche „Hey Kumpel, wie geht’s dir?“, jedoch schaute mich der Herr auf der anderen Seite des Tresen lediglich erwartungsvoll an und machte mir verstaendlich, dass ich trocken meine Bestellung aufgeben muesse. Gewoehnungsbedingt wollte ich ihn schon nach seinem befinden fragen, jedoch sagte mir eine Stimme in mir, dass das keine gute Idee sei, wenn ich nicht noch schraegere Blicke ernten wolle.
So ueberlegte ich mir also geschwind, wie ich am besten auf Deutsch bestelle und fing etwas ueberfordert an zu stammeln: „Aehm, kannst du mir bitte aeh, ne Packung Drum geben?“ Im gleichen Moment realisierte, dass ich den armen Mann gerade versehentlich das Du aufgezwungen habe. Ich glaube er hielt mich da schon fuer ein bisschen komisch, was sich noch toppen liess, als ich mich lautstark ueber den unglaublich guenstigen Preis freute. Irgendwie wurde mir immer unwohler und ich sah zu, dass ich Land gewann.
Puh, einkaufen war wirklich nicht mehr so einfach, wie es mal war. Irgendwie konnte ich mir auch die kommenden Wochen nicht mehr abgewoehnen saemtliche Kassierer zu Dutsen, wofuer ich zwar immer wieder seltsame Blicke erntete, jedoch hatte ich mich daran langsam gewoehnt.
Immer schwieriger wurde auch mit dem richtigen Geld zu bezahlen. Nachdem sich in meinem Portemonaie mittlerweile 4 verschiedene Waehrungen gesammelt hatten kam es immer wieder vor, dass ich mal mit den falschen Muenzen oder scheinen bezahlen wollte. Wenn man seine Standardwaehrung kennt, ist das kein Problem, wenn das aber nicht mehr der Fall ist, haelt mal halt der verdutzten Kassiererin mal schnell 10 Dollar unter die Nase. Erst gesern wollte ich anstatt Baht ein zwei Euro Stueck als Trinkgeld geben. Naja, das ueben wir mal oder vielleicht raeume ich einfach mal in meinem Geldsaeckel auf…irgendwann.
Immer wieder fielen mir auch Jugendliche – und davon nicht wenige – mit Hollister klamotten auf. Auf die Frage, was es damit auf sich habe, bekam ich erklaert, dass es sich damit um eine neue Trendmarke handelt und man diese Klamotten in einem abgedunkelten Geschaeft unter gedroehnender Musik kaufen muss.
Hallo? Wenn man seine Klamotten im dunkeln kauft, muss man sich ja nicht wundern, dass es am Ende scheisse aussieht. Geht es eigentlich nur noch um den Aufdruck eines Labels? Ich habe fuer mich beschlossen, meine Kleidung weiterhin bei Sonnenschein zu kaufen. So werde ich mich nicht irgendwann rechtfertigen muessen, dass ich beim Kauf ja nicht gesehen hab, dass es scheisse aussieht, weils im Laden dunkel war…
Nach einigen Tagen kam ich dann leider nicht mehr drum herum, mit der deutschen Bahn zu fahren. Viel hatte sich meiner Meinung nach nicht geaendert, lediglich die Fahrkartenautomaten haben sie jetzt auf Touchscreens umgeruestet. Will man damit nur sicherstellen, dass die Generation iPhone noch in der Lage ist, sich Fahrkarten zu kaufen und nicht vor einem Meer aus 10 Tasten verzweifelt? Als ich dann in einer 4er Sitzgruppe im Zug sass und sich jemand zu mir gesellte, wollte ich ihn gerade Fragen, wohin seine Reise gehen soll, jedoch schaute der Herr zielstrebig weg und versuchte offensichtlich jeglichen Blickkontakt zu vermeiden. So erinnerte ich mich wieder, dass Unterhaltungen mit fremden Menschen in Deutschland ja nicht ueblich sind und steckte mir halt Kopfhoerer in die Ohren – traurige Welt.
Wie froh war ich, als sich am Singapurer Flughafen ploetzlich meine Sitznachbarin zu Wort meldete und wir halbe Lebensgeschichten austauschten. Ich brauchte sie nicht zu Fragen, wo sie her war. In diesem Moment war mir ohnehin klar, dass sie nur Australierin sein konnte.
Alles in allem, wurde fuer mich klar, dass ich offensichtlich unerwartet ein Stueck der offenen australischen Mentalitaet angenommen hatte und damit in Deutschland irgendwie auf unverstaendnis und Ablehnung stiess. Arme Deutschlandtouristen….