Nach drei zugegebenermassen harten Wochen in Deutschland mit entschieden zu viel Bier und zu wenig Schlaf, war es an der Zeit mal wieder die Segel zu streichen. Genau wie auf dem Hinweg, sollte mich meine Route wieder ueber Helsinki nach Singapur fuehren, wo ich nach einer Muetze Schlaf den naechsten Flieger nach Bangkok nehmen wollte.

 

Trotz des Lufthansa-Streiks schien alles auf den ersten Blick normal zu laufen. Auf den Displays wurde mein Flieger planmaessig angezeigt und ich wollte meinen erschreckend leeren Rucksack mit nur 14 Kilos (ich bin jetzt noch der Meinung, dass was fehlen muss) aufgeben. Knapp 3 Stunden vor Abflug suchte ich also einen Check in Schalter auf, um diesmal rechtzeitig Fensterplaetze mit einem zurueckklappbaren Sitz zu waehlen. Irgendwie sollte sich jedoch kein Schalter finden. Ok, dachte ich mir, vielleicht bin ich ja ein bisschen zu frueh. So bummelte ich die Zeit ab und warf immer mal wieder einen Blick in Richtung der Schalter, welche eigentlich geoeffnet sein sollten. Knapp 2 Stunden vor Abflug (was mit eigentlich als Check in Schluss bekannt war), wurde ich dann langsam nervoes. Da lediglich mit den Hufen zu scharren nicht half, suchte ich mir mal irgend jemand, der eine Ahnung haben koennte. Nicht wie bei deutschen Behoerden ging es hier gluecklicherweise ganz schnell und ich wurde ausnahmsweise nicht mangels deutschem Wohnsitz abgewiesen. Voellig diskriminierungsfrei bekam ich die freundliche Antwort, dass Finnair fuer die Check in Prozedur recht sportliche Zeiten ansetzt und ich einfach noch etwas warten muesse.

 

Einige Zeit spaeter war es dann soweit. Ich sollte meine Fensterplaetze bekommen und selbst im Sicherheitscheck unterstellte man mir mal kein Bombenlegerdasein. So lief ich direkt zum Gate, wo nur Augenblicke spaeter bereits das Boarding begann.

 

Mit gemischten Gefuehlen und nur wenigen Minuten Verspaetung ging es anschliessend im Steigflug in Richtung Abendrot. Nach einem Chicken Curry Sandwich, welches geschmacklich ebenfalls Thunfisch, Marmelade oder kalte Fuesse haette enthalten koennen, machte ich mich wieder an meinen Schmoeker, welcher mir jedoch gezeichnet vom Heimaturlaub schnell die Augen zufallen liess.

 

Nach etwas ueber 2 Stunden waren wir in Helsinki gelandet, wo wir der deutschen Zeit eine Stunde voraus zu sein schienen. Konnte das wirklich stimmen? Wenn das so waere, blieben mir nur rund 10 Minuten bis zum Boarding des Anschlussflugs. Ich meinte mich jedoch erinnern zu koennen, dass ich ueber eine Stunde Umsteigezeit haben wuerde. In jedem Fall wollte ich es nicht drauf anlegen und machte mich schnellen Schrittes zum Gate, welches natuerlich lediglich 38 Gates entfernt lag (der ganze scheiss Flughafen hat nur 40 Gates).

 

Ich sollte es jedoch in Zeit schaffen und hatte Glueck, dass ich es nicht auf meine Stunde Umsteigezeit angelegt hatte. So sass ich bereits 15 Minuten nach der Landung wieder im naechsten Flieger. Diese Umsteigezeit hatte ich selbst bei rund 6 Bahnfahrten nach Frankfurt nie erreicht. Ich hoffte nur, dass mein Gepaeck es ebenfalls so schnell schaffen wuerde.

 

Im Gegensatz zu meinem Flug in Gegenrichtung schien es sich diesmal um einen wesentlich moderneren Flieger zu handeln. Sofort checkte ich, ob sich mein Sitz zurueck lehnen lies. Test erfolgreich und ich war gluecklich. Auch mein Entertainment System schien diesmal zu funktionieren, lediglich die Filmauswahl war nicht so das Gelbe vom Ei. Sogar der Schachcomputer war offensichtlich eine neue Version, da dies der Erste war, welchem ich nicht direkt zeigen konnte, wo der Frosch die Locken hat.

 

Beleuchtete Ameisenstrasse, genannt Moskau

Waehrend dem 11 stuendigen Flug waren zum Glueck nicht nur meine Beine eingeschlafen und ich bekam die Zeit irgendwie tot gesessen. Leider verpasste ich den Ausblick auf Kabul und Delhi, jedoch war das fuer mich ok, solange wir den Afghanistan Ueberflug ohne Raketentreffer schafften.

 

In Singapur angekommen verschaffte ich mir am Flughafen zunaechst etwas bares und einen Stadtplan und wollte einmal das lokale Zugsystem auf Herz und Nieren pruefen.

Was soll ich sagen, in Sachen Preis/Leistung, sowie Sauberkeit, Service und allem anderen auch kann sich unsere heimische RMV nicht nur eine Scheibe, sondern gleich ein ganzes Rind abschneiden. In diesem Zusammenhang muss ich hier ernsthaft vom Entwicklungsland Deutschland sprechen. Kurz gefasst, ich war echt beeindruckt und kam ohne jegliche Probleme binnen kuerzester Zeit an meinem Ziel an: Dem schnuckeligen Footprints Backpackers, wo ich bereits 3 Wochen zuvor gewohnt hatte. Es dauerte nicht lange bis ich wieder eingecheckt war. Erstmal bezog ich mein Bett, schnitt meine verdreckten Fingernaegel und schwang meinen plattgesessenen Arsch in die Dusche. Auf dem Rrueckweg zum Zimmer, lediglich mit einem Handtuch bekleidet, kam endlich mal wieder mein toelpelhaftes Schroddi-Gen zum Vorschein. So brach ich beim Versuch die Tuer zu oeffnen den Schluessel im Schloss ab. Na ganz toll 🙂

 

Gluecklicherweise schaffte ich es die zweite Schluesselhaelfte wieder aus dem Schloss zu popeln. Nun Stand ich da mit meinem Handtuch und meinem Schluessel in zwei Teilen. Mir blieb wohl nichts Anderes uebrig als in meinem sexy Handtuch-look der Receptionistin zu imponieren. Gluecklicherweise kam mir auf dem Gang ein Angestellter entgegen, dem (fuer Asiaten typisch) meine Situation peinlicher schien als mir selbst. So flitzte er los und brachte mir mit 1000 Entschuldigungen einen neuen Schluessel. Nachdem ich froh war, wieder Zugriff auf meine Klamotten zu haben, ging es erstmal….na was wohl…? Curry essen natuerlich!

 

Den Rest des Abends verbummelte ich mit ein paar alten Bekannten und just in dem Moment, als ich die Augen zu machen wollte (23:30), startete auf der Strasse ein chinesisches Festival mit lauter traditioneller Musik. Ich beliess es bei einem kurzen Fluchen, schloss die Augen und trauemte von Mamba, Ayla & Angi 😉

 

Irgendwie hatte mich doch ein wenig der Jetlag verklatscht, was dazu fuehrte, dass ich gegen 5.30 Uhr bereits wieder hellwach im Bett sass. Nach einem guten Morgen Kakao, packte ich meine Sachen und machte mich wieder auf dem Weg zum Flughafen.

Viel zu frueh dort angekommen verbummelte ich die Zeit mit dem, was ich am besten kann: Rauchen.

 

Dabei traf ich eine Australierin, welche verzweifelt versuchte Standby Tickets fuer einen Flug nach London zu ergattern. Dies tat sie allerdings bereits seit 4 Tagen. Heilfroh mein Ticket bereits in der Tasche zu haben, wuenschte ich ihr viel Glueck und machte mich anschliessend zum Gate, bekam einen Sitzplatz im Flieger und war durchaus gluecklich, dass mal wieder alles geklappt hatte.

 

Nach einem etwas rappeligen Flug ueber bedecktem Land landeten wir etwas ueber 2 Stunden spaeter im verregneten Bangkok. Dort liess ich mir Zeit und verschaffte mir ertmal eine Orientierung im 4-stoeckigen Flughafen. Dabei pruefte ich die unterschiedlichen Optionen in die City zu kommen. Als einfachste und dennoch guenstige Loesung bot sich ein Shuttlebus an, der jedoch, wie ich erst spaeter erfuhr, aus mir unbekannten Gruenden nicht fuhr.

 

So entschied ich mich fuer die Bahn. Man sagte mir, dass die Zentrale des Wahnsinns (auch Kaoh Sarn Road genannt) ganz einfach zu erreichen sei, indem man mit der City-Line bis zur Endstation faehrt. Gesagt – getan, jedoch schien sich mein Ziel nicht an der Endstation zu befinden, wo man mir auf Nachfrage erklaerte, dass ich noch eine Station mit dem Skytrain und anschliessend mit dem Bus weiterfahren oder einfach ein Taxi nehmen koenne. Da es immer noch regnete und ich mittlerweile meinen Rucksack fuer mehrere Stunden auf dem Ruecken hatte, entschied ich mich fuer die bequemere Variante und versuchte mir ein Taxi anzuhalten.

 

Kurioserweise lehnten die ersten beiden Fahrer entschieden ab, mich zur Kaoh Sarn Road zu fahren, bei Versuch Nr. 3 sollte es dann aber endlich klappen. Wenig spaeter fand ich mich auf einer stark belebten Strasse wieder und wurde direkt von diversen Tuk Tuk Fahrern angesprochen. Man wollte mir eine Fahrt zu einem Informationszentrum aufschwaetzen, um eine Unterkunft und alles weitere in Erfahrung zu bringen. Weiterhin wollte man mir erzaehlen, dass in der Gegend keine Unterkunft fuer unter 25 Euro die Nacht zu bekommen sei. Spaetestens da wurde ich gelinde gesagt misstrauisch und liess den guten Mann einfach stehen. Es sollte mich anschliessend keine 10 Minuten kosten, um ein schaebiges Einzelzimmer voller Moskitos fuer unter 5 Euro zu bekommen.

 

Ich war also im gelobten Thailand angekommen. Ich kann nicht unbedingt behaupten, dass mir die Gegend gefiel, jedoch hatte ich ohnehin nicht vor, mich dort fuer laengere Zeit aufzuhalten. So buchte ich mir meine Weiterreise wenig spaeter und war gespannt, was die kommende Nacht bringen wuerde.