Allgemein bekannt ist, dass man mit manchen Kollegen keine Feinde braucht.

Im folgenden Fall brauchte ich genau genommen aber eher Nerven als Feinde.

 

Atlantis?

Im Rahmen meiner Divemaster Ausbildung stand unter Anderem ein Workshop zum Kartieren eines Tauchplatzes an. In unserem Fall sollte es unser von der Tauchbasis kuenstlich angelegtes Riff werden, welches aus einem versenkten Haus, einer Dampfwalze, einem Volleyballnetz, einem Flaschenfriedhof und diversen anderen kleinen Dingen besteht.

 

In der Gruppe fuer die eigentliche Kartierung landete ich mit der Schwedin Jenny und Pueppi aus England. Aehm, ja, richtig, Pueppi ist kein englischer Name, sondern existiert dieser Kosenamen nur in meinem Kopf. Warum werdet ihr gleich wissen.

 

Wir verabredeten uns also am naechsten Morgen, 9 Uhr fuer ein Brainstorming, Planung und anschliessendes Briefing. Danach wollten wir dann den Kartierungstauchgang wagen. Die Aufgabenstellung war klar, eine Unterwasserkarte von 20 x 20 Metern inkl. Tiefen, Abmessungen von Gegenstaenden und einigen weiteren Details. Es klang auf den ersten Blick relativ simpel.

 

Nach langer Diskussion bestand unser anfaenglicher Plan darin unser Planquadrat mit 9 Schwimmern zu markieren und anschliessend nach einem bestimmten Schema abzuschwimmen, waehrend wir alle gefundenen Gegenstaende einzeichnen. Bis zu dieser einfachen Entscheidung kostete uns der Spass allerdings beinahe 2 Stunden Diskussion, da Pueppi dies und das nicht verstand, unverstaendliche Einwuerfe hatte und ohnehin immer alles irgendwie anders machen wollte.

 

Bis wir dann endlich unsere Einigung hatten und bereit waren ins Equipment zu huepfen, waren wir bereits zu spaet dran und mussten bis Nachmittag warten, um nicht in der Schneise unserer Speedboote zu schwimmen. So legten wir uns halt erstmal noch eine Weile an den Strand, wo Pueppi sich erstmal vorbildlich ihren Koerper mit Sonnencreme einschmierte und sich jedoch das Gesicht puderte.

 

Etwas verwirrt konnte ich mir die Frage nach dem Lichtschutzfaktor ihres Puders nicht verkneifen. Achso, das machst du, weil du nicht moechtest, dass dein Gesicht glaenzt….hmm, naja, das haette ich ja wissen muessen.

 

Nach rund 2 Stunden war es dann endlich soweit. Wir sammelten alle unser Equipment zusammen und wollten uns fertig machen, als uns im letzten Moment noch ein Instructor eine weitere Person fuer unser Team zuwies. Mit Alex hatten wir dann allerdings ein kleines Prolem, denn er war eine echte Luftfraese, saugte seinen Tank in windeseile leer und war somit der begrenzende Faktor fuer unseren Tauchgang. Nachdem wir ihn dann auch noch schnell in unseren Plan eingeweiht hatten, konnte es endlich losgehen.

 

Nicht anders als beim Briefing brauchte Pueppi dies, suchte das und hatte Probleme mit jenem. Nach einer guten halben Stunde war ich in voller Montur schon kurz vorm Hitzekollaps, waehrend Pueppi immernoch in gewohnter Verwirrtheit rumrannte und Panik machte.

 

Am Ende ging dann doch alles gut und wir konnten endlich die 400 Meter zur entsprechenden Boje rausschwimmen. Von der Boje sollte es allerdings auch unter Wasser noch ein ganzes Stueck zu unserem Ziel sein. Mangels richtiger Instruktionen, verfehlten wir auch noch beinahe unseren Unterwasserspielplatz und verloren noch einmal gut 10 Minuten.

 

Endlich am richtigen Ort angekommen, stellten sich die Arbeitsbedingungen als relativ bescheiden heraus. Die Sicht lag deutlich unter 5 Metern und wir hatten eine leichte Stroemung, die das Navigieren nicht einfacher machte.

An Land eine Karte zu entwerfen, ist kein Kunststueck, stellt euch das aber mal nach etlichen Schnaepsen und mit Hilfe eines Teelichts bei stockfinsterer Nacht vor. Das kommt den vorgefundenen Bedingungen unter Wasser in etwa gleich.

 

Dennoch war ich irgendwie gluecklich, da wir endlich unter Wasser waren und Pueppi nicht mehr sinnloses Zeug quatschen konnte…dachte ich zumindest. Es dauerte nicht lange bis sie das erste mal ankam und mir unsinnige Sachen auf mein Schreibbrett schrieb. Nicht nur, dass das ueberfluessige Kommentare wie „ich weiss nicht wo wir sind“ (das wusste sie ja schon an Land nicht) waren, kostete uns die Schreiberei auch noch unnoetig Zeit, waehrend unsere Luftfraese mit aller Kraft seine 2400 Liter Luft aus dem Tank zog. Unerwartet frueh kam dann von Alex das Zeichen, dass er sein „atemberaubendes“ Werk vollendet hatte und wir zurueck an die Oberflaeche mussten.

 

Bis dato hatten wir nicht mal die Haelfte der Markierungen gesetzt und schwammen etwas enttaeuscht zurueck an Land. Fuer mich lag es auf der Hand, dass wir mit der Technik noch bestimmt 3 Tauchgaenge braeuchten, um unser Werk zu vollenden und es Zeit war, unsere Taktik zu aendern.

 

Nachdem wir uns unseres Equipments entledigt hatten, stellte Pueppi fest, dass ihr Shirt verschwunden war und hatte schon beinahe Traenen in den Augen (sie fand es uebrigens spaeter in ihrem Rucksack wieder). Beim anschliessenden Mittagessen gab ich kund, dass ich der Meinung war, dass wir unsere Taktik aendern mussten, was anschliessend wieder eine halbstuendige Diskussion mit…na wem schon…nach sich zog.

 

Oh ich wollte das einfach nur schnell hinter mich bringen.

So kam mir ueber Nacht dann die rettende Idee und ich setzte von vorn herein ein zweistuendiges Briefing an. Klar mussten wir auf dem neuen Weg geringfuegig schummeln, womit Pueppi wieder gar nicht klar kam. Ihr war das alles zu unpraezise. Sie meinte, dass ich deutsch sei und wir Deutschen doch sonst so praezise waeren. Ich belehrte sie dann eines besseren und erklaerte ihr, dass die Schweizer praezise sind und mein Plan auf deutscher Effizienz beruht. Auf den Konter hatte sie dann nicht mehr arg viel vorzubringen und die Diskussion war nach gefuehlten Jahrzehnten vorbei.

Beim anschliessenden Tauchgang hatten wir gluecklicherweise etwas bessere Sichtverhaltnisse und alles lief wie am Schnuerchen. Selbst Pueppi benahm sich, nachdem nicht nur ich sie nach dem letzten Tauchgang durch die Blume gebeten hatte, wenigsten unter Wasser die Klappe zu halten.

 

Unsere Notizen waren also gemacht und ich fertigte daraus eine grobe Karte an, welche Pueppi bunt und in Farbe anfertigen sollte. Als ich ihr den Entwurf vorlegte, warf jedoch Alex ein, dass er am Ausgangspunkt nicht exakt die Nord-Sued Achse eingehalten hatte, was im Nachhinein die komplette Karte quasi wieder zu nichte machte.

 

Da wir uns eigentlich alle einig waren, dass wir nicht noch einmal von vorne anfangen wollten, nordeten wir die Karte eben ueber den Daumen gepeilt ein und kassierten fuer das Ergebnis ein dickes Lob vom Herrn Lehrer, womit ich Pueppi dann schlussendlich die deutsche Effizienz doch noch unter Beweis gestellt haette. Ansonsten wuerden wir wohl heute noch diskutieren.

 

Eins weiss ich jedoch: Bevor ich das naechste mal wieder mit einem Maedel zusammenarbeite, werde ich sie vorher fragen, ob sie am Strand Puder oder Sonnencreme ins Gesicht klatscht.