Hey meine Lieben,
zwar gebe ich wie gewohnt permanent geistigen Dünnschiss von mir, jedoch habe ich es die letzten Monate einfach nicht geschafft, diesen niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Lange ist es nun schon wieder her, dass ich habe von mir hören lassen. Wie ihr euch denken könnt, dreht sich meine Welt der geistigen und körperlichen Fehltritte weiter und es gäbe beinahe permanent genügend Stoff, sich in meinem Blog online das Maul drüber zu zerreißen.
Leider schaffe ich es nur derzeit zeitlich nicht, solange ich nicht dafür bezahlt werde. Drum will ich euch an dieser Stelle mal einen groben Anriss meines letzten Jahres geben. Sämtliche RTL Jahresrückblicke könnt ihr euch dann getrost sparen und derweil etwas aufregenderes mit eurem Leben anfangen… z.B. in der Nase bohren, Fussnägel kauen oder mit dem Zahnstocher Pizzareste der letzten Woche aus den Zahnzwischenräumen kratzen.
Wie aufmerksamen Bloglesern nicht entgangen sein dürfte, ist mein Jahr 2013 nicht wirklich toll gestartet. Ich kann nicht genau sagen, ob es an der Jahreszahl 13 lag oder einfach daran, dass mein Leben die letzten Jahre einfach viel zu geil war und ich mal ein paar Schläge auf den Hinterkopf verdient habe, welchen die Kokosnuss glücklicherweise knapp verfehlt hat. Es ist zwar nicht schön, sein Gesicht zermatscht zu bekommen aber im Endeffekt bin ich froh am Leben zu sein. Mangels Behindertenparkplätzen konnte ich auf Koh Tao nicht wirklich einen Nutzen aus meinem Unfall ziehen, allerdings habe ich es noch gut eine Weile auf der Insel ausgehalten. Da ich nach dem Unfall nicht wieder Tauchfähig war, habe ich meinen liebsten Job wenigstens eine Weile noch in Form von Theorieunterricht ausüben können.
Dennoch hat mir dieses unglückliche zusammentreffen erst mal einen Strich durch meine sämtlichen Lebens- und Karrierepläne gemacht und ich musste meine gerade erst gestartete Tauchlehrerkarriere vorerst auf Eis legen.
Nachdem ich aus dem Gröbsten raus war, bekam ich Besuch von meiner Schwester und ihrem Freund, was unumstritten einer der Höhepunkte dieses Jahres war.
Wir waren viel schnorcheln und haben uns bei 36 Grad auf dem Minigolfplatz fast bewusstlos gespielt. Kulinarische Fehltritte gab es einige. Ich erinnere mich noch gut an einen Abend, als Jochen nach einem Panang Curry in Flammen stehend das Restaurant verliess und die Schmerzensschreie am nächsten Tag auf dem Klo die Vögel aus den umliegenden Bäumen vertrieb. Unter anderem haben wir eine „kleine“ Spinne aus deren Zimmer entfernen müssen und haben sie anschliessend auf der anderen Seite der Insel ausgesetzt, dass sie auch bloss nicht wieder zurück kommt. Mit unseren Mopeds haben wir die Insel erkundet und die armen Dinger über Pfade geprügelt, die kaum ohne professionelle Kletterausrüstung zu schaffen gewesen wäre.
Da ich als Vollzeitinvalide aber nun mal nicht dauerhaft in Thailand urlauben konnte, hat mich eine euch wohlbekannte (anziehungs)Kraft wieder nach Australien verschleppt, wo ich vorerst einige Zeit im Outback verbracht habe, um wieder zu Kräften zu kommen.
Bis dahin hatte ich bereits die Meisten meiner 9 Knochenbrüche des Unfalls wieder auf die Reihe bekommen und dachte mir es wäre Zeit in den zweistelligen Bereich aufzusteigen. Prompt rutschte ich vom Trittbrett meines Wohnwagens ab und brach mir zur Krönung noch einen meiner Mittelfussknochen.
Da ich viel Zeit für Nonsens hatte, war es mal wieder an der Zeit, mir ein neues Hobby zu Lasten meines Blogs zuzulegen. So habe ich mir Schritt für Schritt Videoediting beigebracht, was eine verdammt zeitintensive Beschäftigung ist, jedoch ebenfalls Andenken auf Lebenszeit produziert. So habe ich unter anderem ein Urlaubsvideo für meine Schwester und einen „Dokumentarfilm“ über meine Zeit im australischen Outback geschaffen. Einige von euch mögen die Resultate schon gesehen haben, Andere werden vielleicht bei meinem anstehenden Deutschlandbesuch in den zweifelhaften Genuss kommen.
Während ich zu meiner Zeit in Deutschland noch geflucht hab wie ein Rohrspatz, wenn irgendwas schief ging, habe ich die letzten Jahre nach dem Leitsatz gelebt, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. So musste auch mein Kokosgeraspel für etwas gut gewesen sein.
Nun war ich dank dessen wieder in meinem gelobten Land und musste ja auch irgendwas draus machen. So nahm ich meinen längst verlorenen Traum der permanent residency in Australien wieder in Angriff.
Eine der wenigen verbleibenden Optionen war mit einem Studium eine Grundlage zu schaffen, mit der man arbeiten kann. Wenige Wochen später fand ich mich also in Sydney wieder, wo ich einige tausend Dollar auf den Tisch legte und mich einem recht umfassenden Gesundheitscheck unterziehen musste, welchem ich trotz schwerem Kater und deutlicher Dehydration bestand. So sollte meinem Studium für ein Management Diplom nichts bzw. nicht mehr viel im Wege stehen.
In Sydney zog ich kurzerhand bei Meggy ein, die zu diesem Zeitpunkt noch in einem zwei Zimmer Appartement mit einer Französin und ihrem Freund Matt zusammenlebte. Mangels Platz bestand mein Reich dann aus dem Sofa im Wohnzimmer. Da dies keine Dauerlösung war, begannen wir uns nach einer angemessenen Behausung für unser Beklopptentrio im Raum Sydney umzuschauen.
Meggy war quasi verantwortlich für Sichtung von potentiellen Herbergen und Matt und ich unterschrieben lediglich die Bewerbungsformulare (ja, hier muss man sich mit Angabe von persönlichen Referenzen auf Wohnungen und Häuser bewerben. Bei Gelegenheit werde ich dieses komische System mal näher erläutern). Nach nur wenigen Wochen hatten wir endlich unseren Mietvertrag für ein Haus, was bis dato nur Meggy gesehen hatte.
Unser Umzug war schnell gemacht und es war Zeit unser neues Domizil unter die Lupe zu nehmen. Es war ein am Hang gelegenes Haus mit drei Schlafzimmern, einem riesigen Wohnzimmer einer Garage und einem Mancave (def. dunkler Raum unterm Haus mit Spinnenweben behangen, wo Frauen lediglich Zutritt haben, um den Bierkühlschrank aufzufüllen). Neben den Räumlichkeiten selbst bot das Haus einen mehrstockigen Garten mit wildem Bewuchs und jeder Menge Potential, wenn man nur genügend Zeit investieren würde.
Da wir nicht wussten, was wir mit so viel Platz anfangen sollten, dauerte es nicht lange bis eine Bar und ein Billiard Tisch im Wohnzimmer Platz gefunden hatten. Als altgedienter Bauer machte ich mir in schweisstreibender Kleinstarbeit zur Aufgabe den Garten auf Vordermann zu bringen. Derzeit sieht es danach aus als würde sich das als Lebensaufgabe herausstellen, da die Vormieter nicht das Unkraut entfernt, sondern schlimmer noch, lediglich zurückgeschnitten haben.
Da ich mir jedoch als Landschaftsgärtner im eigenen Heim nicht meinen Lebensunterhalt verdienen konnte, war es an der Zeit mir ebenfalls einen Job zu suchen. Als Tellerwäscher oder Arsch für Alles wollte ich nicht wieder arbeiten und legte meinen Fokus zur Jobsuche in Lagerhäusern. Um diesbezüglich meine Jobchancen zu verbessern, machte ich erst mal meinen Gabelstablerführerschein, was erstaunlich umfassend war. Mit meinem Lappen in der Tasche und frisch bespuckten Handflächen machte ich mich dann an Bewerbungen. Da ich als ausländischer Student jedoch Visaauflagen bezüglich Arbeit habe, sollte sich die Arbeitssuche nicht so einfach gestalten. Während meiner Semester darf ich lediglich Teilzeit und in den Semesterferien Vollzeit arbeiten, was meine Auswahlmöglichkeiten deutlich einschränkte, jedoch sollte ich nach zwei Wochen auch diese Barriere übersprungen haben. Als Arbeitgeber bot sich mir eine Firma an, die in Australien Tv Homeshopping Produkte vertreibt.
So schmeisse ich jetzt tagtäglich Pfannensets, Wischmops, Anticellulite Unterwäsche, Sportgeräte und anderen nutzlosen Scheiss aus China durch die Gegend.
Hier könnte nun meine Geschichte mit dem Satz: „Und wenn er nicht gestorben ist…“ enden.
Stattdessen mus es leider heissen:
Und wenn er nicht fast gestorben wäre, würde er auch munter die nächsten 16 Monate studieren und Pfannen schubsen aber…
…unglücklicherweise habe ich nämlich erfahren müssen, dass ich in Thailand nach meinem Unfall total falsch behandelt wurde, was sich dadurch bemerkbar macht, dass ich nun Infektionen in meinen Kieferbrüchen habe, welche die Heilung verhindern.
Meine damalige Auslandskrankenversicherung wollte mich aus mir schleierhaften Gründen nicht weiterhin versichern und meine australische Studentenversicherung weigert sich für bereits vorhandene „Schäden“ aufzukommen. So bleibt mir nun letzten Endes nichts anderes übrig als mich als Arbeitsloser in Deutschland behandeln zu lassen.
Das ganze macht mir natürlich mal wieder einen gewaltigen Strich durch meine Pläne. Für die Behandlung muss ich bei meinem Studium ein Semester aussetzen, was mich am Ende knapp tausend Euro mehr kosten soll und ich habe wieder eine halbe Weltreise vor mir, worauf ich mich nicht gerade freue. Auf der anderen Seite muss ich in den sauren Apfel beissen, um die Kokosnuss in letzter Instanz nicht doch noch gewinnen zu lassen.
Wenn also alles so läuft, wie ich es mir vorstelle (ich nenne es jetzt mal nicht einen Plan), darf man mich reichlich schlecht gelaunt gegen April 2014 in Deutschland erwarten und gerne mit pürierter Currywurst oder Pizza im Krankenhaus besuchen.
Zusammengefasst kann man sagen, dass es mir abgesehen von gesundheitlichen und finanziellen Aspekten echt blendend geht. Aber mal unter uns gesagt, wer braucht schon Geld und Gesundheit, wenn er so gut aussieht wie ich und darüber hinaus mit einem Rockstar und einer Durchgeknallten zusammen lebt. Wohlfühlfaktor und Raum zur schizophrenradikalen Wurzelschakra Entfaltung ist also gegeben und ich fühl mich Killerpudelwohl.
Im Großen und Ganzen schliesse ich 2013 als ein Scheissjahr mit dennoch einigen positiven aszendenten ab und blicke in eine Zukunft, die nur besser werden kann. Die Vergangenheit muss man hinnehmen als das, was sie ist solange man das Negative zurücklassen und sich auf eine bessere Zukunft freuen kann.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen geruhsamen Jahresabschluss und eine schöne Weihnachtszeit beladen mit dem, was im Konsumwahn der letzten Wochen aufgehäuft wurde.
Kommt mir gut ins neue Jahr, brecht wie üblich mit wehenden Fahnen die guten Vorsätze aber habt Spaß dabei, denn das ist es, worum es im Leben geht.
Auch wenn nicht immer alles so läuft, wie ihr euch das vorstellt, nehmt es als gegeben hin, denn ihr wisst zu dem Zeitpunkt nicht, wofür das mal gut sein wird.
Haltet die Ohren Steif und vielleicht bis bald vor Ort dann.
Eurer Schroddi
Mein 2013 in 9 Bildern
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- Mein schönstes Lächeln, Koh Samui – Jan 2013
- Banana Rock, Koh Tao – the ultimate place to be – März 2013
- Sai Nuan Beach, Koh Tao – April 2013
- Outback Sonnenuntergang, Aug 2013
- Waldbrände um Sydney, Okt 2013
- Our house in the middle of a street, Sydney – Nov 2013
- Wohnzimerkneipe, Sydney Dez 2013
- Garten (ein kleiner Teil davon), Sydney Dez 2013








